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Konflikt um Kulturzentrum "Rote Flora" : 120 Polizisten bei Krawallen in Hamburg verletzt

Bei den schwersten Krawallen seit Jahren sind am Samstagabend in Hamburg mehr als hundert Polizisten verletzt worden. Die Ausschreitungen begannen auf einer Demonstration gegen die drohende Räumung des besetzten Kulturzentrums "Rote Flora".

Steine und Flaschen auf Polizisten, Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen Demonstranten: Bei einer Kundgebung für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ hat es am Samstag in Hamburg die schwersten Krawalle seit Jahren gegeben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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21.12.2013 19:15Steine und Flaschen auf Polizisten, Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen Demonstranten: Bei einer Kundgebung für den Erhalt des...

Nach Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel ist am Samstag eine Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums Rote Flora aufgelöst worden. Nach Polizeiangaben nahmen rund 7300 Menschen an der Kundgebung teil, darunter rund 4700 gewaltbereite Demonstranten. Nachdem die Polizei mit Steinen und Flaschen bewarfen worden war, setzte sie Wasserwerfer ein und löste die Versammlung auf. Mehr als hundert Beamte wurden verletzt.

Vermummte bewarfen Polizisten mit Steinen

Wie die Hamburger Polizei am späten Abend mitteilte, kam es bereits kurz nach Beginn der Proteste auf dem Schulterblatt zu Zusammenstößen. Demnach wurde die Polizei gezielt mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Die Polizei, die mit mehr als 3100 Beamten im Einsatz war, habe daraufhin den Aufzug gestoppt und Wasserwerfer eingesetzt. Da vermummte Demonstranten die Polizei auch von einer Bahnbrücke mit Steinen beworfen hätten, sei der Bahnverkehr unterbrochen worden.

Rund zwei Stunden nach ihrem Beginn sei die Demonstration dann für aufgelöst erklärt worden. Nach Angaben der Polizei beschädigten Teilnehmer der Demonstration im Anschluss eine Drogeriemarkt, eine Sparkasse und andere Geschäfte im Umfeld der Kundgebung. Im Viertel St. Pauli und rund um die Reeperbahn seien später mehrere Fahrzeuge und Mülltonnen in Brand gesetzt, Schaufenster eingeschlagen und Polizeiwagen beschädigt worden, erklärte die Polizei.

Schwere Krawalle bei Demonstration für „Rote Flora“ in Hamburg
Steine und Flaschen auf Polizisten, Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen Demonstranten: Bei einer Kundgebung für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ hat es am Samstag in Hamburg die schwersten Krawalle seit Jahren gegeben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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16 Polizisten mussten im Krankenhaus behandelt werden

Ihren Angaben nach wurden auch in anderen Stadtvierteln Polizeiwagen mit Steinen beworfen und die Fensterscheiben von Geschäften eingeschmissen. Insgesamt seien 120 Polizisten verletzt worden, teilte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen mit. 19 Beamte erlitten schwere Verletzungen. Ein Polizist aus Niedersachsen erlitt durch einen Steinwurf so schwere Verletzungen, dass er bewusstlos in eine Klinik kam. Es seien zudem 19 Menschen unter dem Verdacht des Landfriedensbruchs festgenommen worden.

Wie viele Randalierer im Schanzenviertel und im Stadtteil St. Pauli verletzt wurden, war zunächst unklar. „Durch den massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern kam es zu zahlreichen Verletzten“, hieß es in einer Mitteilung der Organisatoren.

Die Proteste richteten sich gegen die drohende Räumung des linksalternativen Kulturzentrums Rote Flora. Das frühere Theater im Zentrum des Schanzenviertels war 1989 besetzt worden und ist seitdem ein Symbolprojekt der linken Szene. Seit dem Verkauf durch die Stadt an einen Investor droht jedoch die Räumung. Außerdem richteten sich die Proteste gegen die Zwangsräumung der einsturzgefährdeten Esso-Häuser an der Reeperbahn sowie für ein Bleiberecht für Flüchtlinge.

In Erwartung von gewaltsamen Zusammenstöße hatte die Hamburger Polizei die Innenstadt bereits zuvor zum Gefahrenbereich erklärt. Wie sie mitteilte, könnten gewaltbereite Linksextremisten versuchen, in den Innenstadtbereich zu gelangen. Dies könne zu erheblichen Gefahren für unbeteiligte Bürger führen. In dem Gefahrengebiet können Polizeibeamte je nach Lage Personen kontrollieren, Platzverweise erteilen, Aufenthaltsverbote aussprechen und Menschen in Gewahrsam nehmen. (AFP/dpa)


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