Konjunkturdaten : Lahme US-Wirtschaft sorgt für Euro-Hoch

Inflationsdruck, Unsicherheit bei Wechselkursen und die schwächelnde US-Wirtschaft treiben den Eurokurs weiterhin in die Höhe. Am Montag überstieg der Preis für die europäische Währungseinheit erneut die Marke von 1,55 US-Dollar.

Frankfurt/Main Enttäuschende US-Konjunkturdaten haben den Euro am Montag zeitweise wieder über die Marke von 1,55 US-Dollar getrieben. Die europäische Gemeinschaftswährung kletterte in der Spitze bis auf 1,5518 Dollar. Am späten Nachmittag wurde der Euro noch mit 1,5475 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs vor den Daten am Mittag noch auf 1,5459 (Freitag: 1,5336) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete 0,6469 (0,6521) Euro.

"Es sind eine Vielzahl von Faktoren, die den Euro stützen", sagte Devisenexperte Eric Goerke von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). So habe der eine oder andere Händler auf klarere Aussagen zu den Wechselkursen durch die Finanzminister der sieben größten Industriestaaten und Russlands (G8) am Wochenende gesetzt. Diese Erwartung sei enttäuscht worden, sagte Goerke.

Trübe Aussichten für US-Wirtschaft

Darüber hinaus sei die Inflation in der Eurozone im Mai auf einen neuen Rekordwert von 3,7 Prozent gestiegen. Dies dürfte die Zinserhöhungsneigung der EZB untermauern. Enttäuschende US-Konjunkturdaten hätten schließlich den Ausschlag für den Sprung über 1,55 Dollar geliefert.

Die Geschäftsaussichten im Verarbeitenden Gewerbe im US-Bundesstaat New York trübten sich im Juni überraschend ein. Der Empire State Manufacturing Index ging nach Angaben der regionalen Vertretung der US-Notenbank von minus 3,23 Punkten im Vormonat auf minus 8,68 Punkte zurück. Ökonomen hatten hingegen mit einer Aufhellung auf minus 0,50 Punkte gerechnet. Der Index misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Staat New York. Werte über Null deuten eine Ausweitung der Aktivität an.

Leitzinserhöhungen möglich

In jüngster Zeit hatte das gescheiterte Referendum in Irland über den EU-Reformvertrag sowie gestiegene Zinserhöhungserwartungen in den USA den Kurs des Dollar beflügelt. Die US-Notenbank könnte noch im laufenden Jahr wegen der bestehenden Inflationsgefahren eine Kehrtwende vollziehen und die Leitzinsen nach den Notsenkungen im Rahmen der Finanzkrise wieder erhöhen.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,78730 (0,78835) britische Pfund, 167,26 (166,05) japanische Yen und auf 1,6129 (1,6113) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 888,25 (866,00) Dollar gefixt. (iba/dpa)

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