Politik : Kontroversen im Bundestag zu Akw-Studie

Berlin - Im Streit um die jüngste Studie zu Kinderleukämie in der Nähe von Atomkraftwerken sind am Mittwoch im Bundestag die altbekannten Fronten wieder aufgebrochen. In einer Aktuellen Stunde auf Antrag der Grünen warnten Redner der Koalition vor vorschnellen Schlüssen aus der Untersuchung, die eine auffällige Häufung von Leukämieerkrankungen bei Kindern aufgezeigt hatte, die in der unmittelbaren Nähe von Atomkraftwerken wohnen. Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) sagte, die Studie dürfe keinen Anlass für Schwarz-Weiß-Debatten bieten. Notwendig seien weitere Untersuchungen, um die Zusammenhänge aufzuklären. Die Verfasser der Studie hatten ausdrücklich offen gelassen, ob die Häufung der Krebsfälle mit einer Belastung durch die Atommeiler zusammenhängt oder nur auf einem statistischen Zufall beruht. Müller betonte allerdings zugleich, im Zweifel müsse das Vorsorgeprinzip gelten.

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell forderte, die Akw-Betreiber müssten jetzt beweisen, dass ihre Anlagen nicht für das höhere Krebsrisiko verantwortlich seien. Könnten sie das nicht, müssten die Kraftwerke stillgelegt werden. Auch seine Fraktionskollegin Sylvia Kotting-Uhl forderte: „Im Zweifelsfall für die Opfer.“ Für die Linksfraktion sagte der Abgeordnete Hans-Kurt Hill, der Zusammenhang zwischen Atomkraft und Krebs sei „erdrückend“.

Union und FDP warfen den Atomkritikern vor, die Studie zu missbrauchen. Unionsfraktionsvize Katherina Reiche sagte, sie zeige keine Ursachen auf, sondern nur einen womöglich irreführenden statistischen Zusammenhang. bib

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