Politik : Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Präsidentschaftskandidaten

Über den künftigen Präsidenten Guatemalas wird voraussichtlich erst in einer Stichwahl entschieden. Bei der ersten Präsidentschaftswahl seit dem Ende des Bürgerkriegs vor drei Jahren erreichte nach ersten amtlichen Ergebnissen keiner der beiden aussichtsreichsten Kandidaten die erforderliche Mehrheit. Nach Auszählung von 41 Prozent der in der Hauptstadt abgegebenen Stimmen kam der Bewerber der regierenden konservativen Partei des Nationalen Fortschritts (PAN), Oscar Berger, auf 42,6 Prozent. Sein Herausforderer Alfonso Portillo von der Republikanischen Guatemaltekischen Front (FRG) hatte mit 42,9 Prozent nur einen minimalen Vorsprung. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) lobte den friedlichen Verlauf der Abstimmung.

Berger zeigte sich zuversichtlich, dass er seinen Gegner von der Opposition in der Stichwahl am 26. Dezember besiegen werde: "Sie haben angekündigt, dass sie im ersten Wahlgang gewinnen werden, aber der PAN ist lebendig, und in der zweiten Runde werden wir siegen", sagte Berger, der zugleich Bürgermeister von Guatemala-Stadt ist. Portillo schwieg. Obwohl während des Wahlkampfs bekannt geworden war, dass der 48-jährige Anwalt 1982 in Mexiko zwei Studenten erschossen hatte und vor der Justiz geflüchtet war, hatte Portillo mit 46 Prozent in Umfragen deutlich vor Berger gelegen. Mit nur acht Prozent weit abgeschlagen rangierte der drittplatzierte Alvaro Colom, Kandidat von linksgerichteten Parteien und der ehemaligen Guerillaorganisation Revolutionäre Nationale Guatemaltekische Einheit (URNG).

Die guatemaltekische Bevölkerung hatte am Sonntag erstmals seit dem Ende des Bürgerkrieges 1996 ihren Präsidenten aus dem gesamten Parteienspektrum aussuchen können. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Regierungspartei geringfügig über der des Jahres 1995 (46,8 Prozent).

In ihren Wahlversprechen, die erstmals als schriftliches Programm vorgelegt worden waren, hatten sich die Hauptkonkurrenten kaum unterschieden. Beide setzten sich für die Fortsetzung des Demokratisierungs- und Friedensprozesses, die Integration der indianischen Bevölkerung und mehr Ausgaben für Gesundheit und Bildung ein.

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