"Krankenhaus Rating Report" : Jede zehnte Klinik steht vor der Insolvenz

Besonders kommunale Krankenhäuser in Deutschland machen Verluste. In Berlin stehen die Vivantes-Kliniken und die Charité vor bedeutsamen Entscheidungen.

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Viele Krankenhäuser bauen geschäftlich um - Spezialisierungen sind nötig, um wirtschaftlich zu überleben.
Viele Krankenhäuser bauen geschäftlich um - Spezialisierungen sind nötig, um wirtschaftlich zu überleben.Foto: Kästle/dpa

Die Wirtschaftslage deutscher Krankenhäuser ist schlecht. Neun Prozent der bundesweit 1960 Kliniken befinden sich einer Studie zufolge in erhöhter Insolvenzgefahr, weitere zwölf Prozent im ökonomisch problematischen „gelben“ Bereich. Das geht aus dem „Krankenhaus Rating Report“ des RWI–Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hervor, der auf dem „Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit“ in Berlin vorgestellt wurde. Allerdings unterscheidet sich die Lage der Kliniken je nach Ort, fachlicher Spezialisierung und Träger massiv.

Rote Zahlen für 25 Prozent der kommunalen Kliniken

Laut Studie verzeichnen große, privat betriebene Krankenhäuser in den Städten gute Ergebnisse. Dagegen drohen auch in diesem Jahr den meisten der 32 Universitätskliniken deutliche Minusabschlüsse – auch weil diese Häuser mehr Patienten mit hochkomplexen, kostspieligeren Krankheiten versorgen. Nach Tagesspiegel-Informationen schlossen zudem 25 Prozent der 600 kommunalen Kliniken 2016 mit roten Zahlen ab. „Für eine ideale Krankenhausstruktur ist vor allem politische Aufrichtigkeit nötig“, sagte Bernhard Ziegler, der Chef des Interessenverbandes Kommunaler Krankenhäuser, dem Tagesspiegel.

Kliniken dürfen keine Profitcenter sein, die Länder müssen sie ausreichend finanzieren, so wie es das Gesetz vorsieht. Die Entscheider in Kommunen, Ländern und Bund sollen einen Dialog mit den Bürgern führen, wie Versorgung aussehen und wie sie finanziert werden sollte.“ Mit Blick auf die Sparzwänge berichteten Patienten zuletzt von unangenehmeren Aufenthalten – auch in Berliner Kliniken ist es vorgekommen, dass Kranke in Rollbetten auf dem Flur warten, weil es an freien Räumen und Personal mangelt.

Universitätsklinik Charité tritt Arbeitgeberverband bei

Die Berliner Vivantes-Kliniken, der größte kommunale Krankenhauskonzern Deutschlands, schlossen 2016 zwar mit einem knappen Plus ab, haben dafür allerdings an den Löhnen gespart: In den nächsten Monaten entscheidet sich, ob die Angestellten der Tochterfirmen weiter unter Stammtarif bezahlt werden. Die landeseigene Charité wiederum soll in diesem Oktober dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) beitreten. Im Senat erhofft man sich so Planungssicherheit, viele Beschäftigte fürchten jedoch, tarifliche Errungenschaften zu verlieren. An der Charité war 2016 ausgehandelt worden, eine Mindestzahl von Pflegekräften einzusetzen, um Stress und Behandlungsfehler zu vermeiden.

Laut dem „Krankenhaus Rating Report“ gibt es bundesweit nun weniger als 500 000 Klinikbetten, auch die durchschnittliche Verweildauer der Patienten sank weiter auf 7,3 Tage. Nach wie vor, heißt es, bestehe Investitionsbedarf in Milliardenhöhe durch die Bundesländer. Gesetzlich gilt: Die Länder finanzieren Gebäude und Technik aller relevanten Kliniken, die Krankenkassen bezahlen Medikamente und Personal. (mit KNA)

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