Krankenhausreport : Darmkrebs geht zurück

Die Früherkennungsprogramme sind erfolgreich. Dank der Vorsorge müssen immer weniger Menschen wegen Darmkrebs operiert werden.

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Vor der Untersuchung in einem Positronen-Emissions-Tomographie-Gerät.
Vor der Untersuchung in einem Positronen-Emissions-Tomographie-Gerät.Foto: dapd

In Deutschland müssen immer weniger Menschen wegen Darmkrebs ins Krankenhaus. Nach einer Studie der Krankenkasse Barmer GEK verringerte sich die die Zahl der Betroffenen seit dem Jahr 2005 um 21 Prozent. Außerdem ist die Verweildauer in den Kliniken weiter gesunken.

Die Hauptursache für den Rückgang der Zahl der Darmkrebs-Patienten sieht Barmer-Vize Rolf-Ulrich Schlenker im Angebot zur Krebsvorsorge. „Aus unserer Sicht spricht sehr viel dafür, dass das Früherkennungssystem wirkt“, sagte er bei der Präsentation des aktuellen Krankenhausreports in Berlin. Auf einen gesünderen Lebensstil lasse sich der Rückgang nicht zurückführen. Allerdings fänden Chemotherapie und Bestrahlungen auch immer häufiger in Arztpraxen statt. Mit jährlich rund 69 000 Neuerkrankungen gehört Darmkrebs zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Und die Todesrate ist enorm. Jeder Fünfte stirbt bereits in den ersten zwölf Monaten, nicht einmal jeder Zweite ist nach fünf Jahren noch am Leben. Zudem liegt die Komplikationsrate mit gut einem Drittel aller Behandelten sehr hoch.

Eva-Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin in Hannover führt den Rückgang der Patientenzahlen ebenfalls auf die Vorsorgemaßnahmen zurück. Dadurch würden der Krebs und seine Vorstufen „öfter so früh erkannt, dass eine Behandlung im Krankenhaus nicht mehr nötig ist“. Bei der Früherkennung zahlen die Kassen für über 50-Jährige einmal jährlich einen Labortest auf Blut im Stuhl und ab 55 auch eine Darmspiegelung, die nach zehn Jahren wiederholt werden kann. Er empfehle allen „dringlich“, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen, sagte Schlenker. Gleichzeitig kritisierte er, dass Versicherte erst ab dem Jahr 2017 schriftlich zur Vorsorge eingeladen werden sollen. Damit müsse man schon früher beginnen, forderte der Kassenvize.

Im Schnitt betrug die Verweildauer der Klinikpatienten im vergangenen Jahr 8,3 Tage. 2011 waren es noch 8,4. Die Zahl der Behandlungen blieb mit 189 Fällen pro 1000 Versicherten nahezu konstant. Auch zwei weitere Trends blieben unverändert. Herz- und Kreislauferkrankungen spielen in den Kliniken eine immer geringere Rolle, seit dem Jahr 1990 sanken die entsprechenden Behandlungszeiten um 44 Prozent. Dafür nimmt die Verweildauer von psychisch Erkrankten weiter zu, sie stieg im genannten Zeitraum um 67 Prozent. Allein auf die Behandlung von Depressionen entfallen inzwischen 6,3 Prozent aller Behandlungstage. Und der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen war im vergangenen Jahr Alkoholmissbrauch.

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