Krieg im Gazastreifen : Bodentruppen warten auf Marschbefehl

Soldaten und Panzer gehen in Stellung: Israel bereitet sich Berichten zufolge auf eine massive Bodenoffensive im Gazastreifen vor.

Panzer
Die israelischen Panzer sind für die Bodenoffensive an der Grenze zum Gazastreifen in Stellung gebracht. -Foto: AFP

Am Rande des Gazastreifens warten israelische Bodentruppen auf den Einmarschbefehl. Wie der israelische Rundfunk am Donnerstagmorgen meldet, sind mehrere tausend Soldaten in Bereitschaft - darunter viele Reservisten. Der Bodeneinsatz mit starken Verbänden solle nach Vorstellung der Armee heftig und kurz sein. Die Tageszeitung "Haaretz" schreibt von einem groß angelegten, zeitlich jedoch befristeten Einmarsch. Die Hamas-Kämpfer hatten bereits erbitterten Widerstand angekündigt.

Nach Angaben des israelischen Onlinedienstes "ynet" erwarten die Streitkräfte massiven Widerstand durch Sprengfallen oder Heckenschützen der Hamas. Sie seien aber darauf vorbereitet. Kämpfer der radikalen Palästinenserorganisation haben sich entlang der Grenze in Schützengräben verschanzt.

Die israelische Luftwaffe setzte am sechsten Tag der Militäroffensive "Gegossenes Blei" ihre Angriffe im Gazastreifen fort. Dabei seien erneut Regierungsgebäude der radikal-islamischen Hamas-Organisation sowie Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten beschossen worden, hieß es. Auch die Marine habe von der See aus erneut Ziele der Hamas bombardiert.

Jedes vierte Opfer Zivilist

Seit Beginn der israelischen Luftangriffe sind nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte mindestens 400 Menschen ums Leben gekommen. Knapp 2000 Menschen seien verletzt worden, teilte der Leiter der Rettungsdienste in Gaza, Moawija Hassanein, am Donnerstag mit. Die am Samstag gestartete Operation ist die blutigste Offensive der israelischen Armee seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind ein Viertel der Opfer Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte erklärt, Israel sei entschlossen, die Ziele der Militäroperation zu erreichen. Es will damit den ständigen Raketenbeschuss israelischer Grenzorte militanter Palästinenser unterbinden. Auch am Donnerstag gingen die Angriffe auf Israel weiter, auch die Wüstenstadt Beerschewa wurde erneut getroffen.

Livni in Paris

Die israelische Verteidigungsministerin Zipi Livni reiste am Donnerstag zu Gesprächen über die Gaza-Krise nach Paris. Sie will dort unter anderem den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy treffen. Sarkozy wird am Montag zu Vermittlungsgesprächen in Israel erwartet. Israel hatte einen französischen Vorschlag über eine 48- stündige Waffenruhe abgelehnt.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas stellt unterdessen die direkten bilateralen Verhandlungen mit der israelischen Regierung infrage: "Wir werden nicht zögern, (diese Verhandlungen) auszusetzen, wenn sie unsere unveräußerlichen Rechte gefährden oder zum Deckmantel für eine Aggression werden", sagte er am Mittwoch. Abbas verurteilte das israelische Vorgehen als "abscheuliche Aggression" und "schreckliches Verbrechen". (td/dpa/AFP)





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