Politik : Krieg macht Hunger

Der neue Welthungerindex will Daten für Kampf gegen Unterernährung liefern

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Berlin - Mangelnder politischer Wille in Entwicklungs- und in den Geberländern sei der Grund, dass der Hunger weltweit nicht so effektiv wie möglich bekämpft werde – zu diesem Schluss kommt Joachim von Braun, der am Internationalen Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik den neuen „Welthungerindex“ entwickelt hat. Bei dessen weltweit erster Vorstellung am Freitag in Berlin zusammen mit der Deutschen Welthungerhilfe wies Braun auf den Zusammenhang zwischen Kriegen und schlechter Lage der Bevölkerung hin, betonte aber auch, dass allein steigendes Wirtschaftswachstum an sich keine positive Entwicklung für die Bevölkerung bedeute.

So liegt zum Beispiel der seit Jahrzehnten von Krisen und Kriegen geplagte Kongo im Ranking der 119 Entwicklungs- und Transformationsländer mit einem Index von 40,4 als drittletztes Land am Ende der Skala. Indien, dessen Wirtschaft seit Jahren boomt, erreicht aber mit einem Index von 25,7 auch nur Platz 96, weit hinter Ländern wie Uganda, Pakistan oder China. Dies liegt nach Ansicht der Experten auch daran, dass zu wenig in die Bildung von Frauen investiert wird, was sich sehr auf die Ernährungslage der Kinder auswirke.

Der Index setzt sich aus Zahlen des Kinderhilfswerks der UN, Unicef, der Weltgesundheitsorganisation und der UN-Ernährungsorganisation FAO zusammen und gibt – grob vereinfacht – die Prozentzahl der Hungernden in der Bevölkerung wieder. Da von der FAO keine neueren Daten vorliegen, geht der von 1981 an berechnete Index nur bis zum Jahr 2003. Auch mit Blick auf die sogenannten Millennium-Entwicklungsziele (MDGs), die die internationale Gemeinschaft eigentlich bis 2015 erreichen will, ist aber eine rasche Aktualisierung geplant.

Die MDGs sehen unter anderem Halbierung der Armut weltweit oder Zugang zu sauberem Trinkwasser vor. Jedoch werde man die meisten Ziele wohl nicht erreichen, sagte Ingeborg Schäuble, Vorsitzende der Welthungerhilfe, sie liege dann wohl bei 600 Millionen Menschen. Von Braun bedauerte, dass es nach 2005 um die MDGs „sehr viel stiller“ geworden sei. Er hofft, dass Deutschland während seiner EU- und G-8-Präsidentschaft „an die Herausforderung von 2005 anknüpft und die absolute Armutsbekämpfung“ wieder in den Vordergrund rückt.

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