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Kriminalstatistik 2010 : Straftaten im Internet stark angestiegen

Innenminister Friedrich stellt die Kriminalstatistik 2010 vor: Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten in Deutschland ist auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen. Aber im Detail bleibt vieles besorgniserregend.

Erstmals seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der Straftaten unter die Sechsmillionen-Marke gesunken. 5,93 Millionen Straftaten wurden im Jahr 2010 registriert, zwei Prozent weniger als im Jahr davor.Alle Bilder anzeigen
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20.05.2011 11:08Erstmals seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der Straftaten unter die Sechsmillionen-Marke gesunken. 5,93 Millionen Straftaten...

Grob betrachtet hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gute Zahlen zu präsentieren. Erstmals seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der Straftaten unter die Sechs-Millionen-Marke gesunken. Laut der in Berlin vorgestellten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden 2010 5,933 Millionen Straftaten registriert. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies einen Rückgang von zwei Prozent. Zugleich erreichte die Aufklärungsquote mit 56 Prozent den höchsten Wert seit Einführung der gesamtdeutschen Kriminalstatistik im Jahr 1993. Am höchsten lag sie mit 65,3 Prozent in Thüringen. An zweiter Stelle rangierte Bayern mit einer Quote von 64,6 Prozent und an dritter Stelle Niedersachsen mit 62,9 Prozent. Am niedrigsten lag sie mit 46,2 Prozent in Hamburg. Berlin rangiert an vorletzter Stelle mit 48,4 Prozent. Im Vergleich der Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern gibt es die meisten registrierten Straftaten pro 100 000 Einwohner nach wie vor in Frankfurt am Main. Auf dem zweiten und dem dritten Platz liegen wie schon im Jahr 2009 Hannover und Berlin.

Schaut man ins Detail, vedunkelt sich das positive Gesamtbild wieder etwas. Vor allem der Computer wird immer häufiger zum Tatwerkzeug von Kriminellen: Die Computerkriminalität ist im vergangenen Jahr in Deutschland um mehr als 12 Prozent auf rund 84 400 Fälle gestiegen. Der starke Anstieg ist vor allem darauf zurückzuführen, das deutlich häufiger als 2009 Daten ausgespäht und abgefangen wurden. Auch im Netz steigt die Kriminalitätsrate. Mit 223 642 Fällen wurde in diesem Bereich der bislang höchste Wert registriert. Dabei entfielen mehr als 80 Prozent auf Betrugsdelikte.

Eine Zunahme gab es auch bei den Wohnungseinbrüchen. Deren Zahl stieg um 6,6 Prozent auf 121347 Fälle. Die Aufklärungsquote lag nur bei knapp 16 Prozent.

Das Brisanteste Thema der vergangenen Wochen war die Jugendkriminalität. Friedrich hat in diesem Zusammenhang härtere Strafen für junge Täter gefordert. Ein Warnschussarrest könne gerade im Bereich der Jugendkriminalität weiterhelfen, sagte
Friedrich am Freitag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik in Berlin. Sein hessischer Amtskollegen Boris Rhein (CDU) sagte, er finde die Diskussion richtig, dass bei Heranwachsenden das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden sollte.
Der wichtigste Punkt sei jedoch, dass die Strafe für eine Tat auf dem Fuße folgen müsse. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will das Gesetz so ändern, dass der Warnschussarrest künftig neben einer zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe angeordnet werden kann. Das Thema Jugendkriminalität war im April heftig diskutiert worden, nachdem ein 18 Jahre alter Schüler in einem Berliner U-Bahnhof einen 29 Jahre alten Mann mit Tritten gegen den Kopf schwer verletzte.

Auch das Thema Terrorismus spiele nach wie vor eine große Rolle. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sieht Deutschland weiterhin im Fadenkreuz islamistischer Terroristen. Es gebe keinen Grund, in der Anspannung und den Anstrengungen bei den
Ermittlungen nachzulassen, sagte Friedrich am Freitag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik in Berlin. Nach den Verhaftungen von drei mutmaßlichen Al-Qaida-Mitgliedern Ende April in Nordrhein-Westfalen sei man weiteren Verdächtigen auf
der Spur. Nach der Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden könne das Terrornetzwerk möglicherweise kurzfristig beweisen wollen, weiter handlungsfähig zu sein, sagte Friedrich. (AFP,dpa)

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