Politik : Kritiker sollen Schreibreform mitgestalten

Volker Hildisch

Mettlach - Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im saarländischen Mettlach die Einsetzung eines Rates für deutsche Rechtschreibung beschlossen, der die Rechtschreibreform weiterentwickeln soll. Nach Ansicht der überwiegenden Mehrheit der Länder gibt es auch nach der Kündigung der Verwaltungsvereinbarung durch Niedersachsen keinen Zweifel am Fortbestand der KMK.

Im Rat für deutsche Rechtschreibung sollen 18 Vertreter aus Deutschland und je neun aus Österreich und der Schweiz sitzen. Neben Wissenschaftlern ist auf deutscher Seite die gleichberechtigte Mitgliedschaft von Vertretern aus dem Verlagswesen, der Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, von Pädagogen, Journalisten und Schriftstellern vorgesehen. Die KMK-Präsidentin Doris Ahnen (SPD) forderte die Organisationen ausdrücklich auf, auch Kritiker der Rechtschreibreform zu benennen. „Dies ist ein faires Angebot, sich an der Weiterentwicklung der Rechtschreibung zu beteiligen.“ Der Rat soll möglichst noch im Dezember zusammentreten und eventuelle Änderungen in den Bereichen Getrennt- und Zusammenschreibung, Fremdwörter, Interpunktion und Trennung so rechtzeitig vorschlagen, dass die neue Rechtschreibung, wie von den Ministerpräsidenten beschlossen, verbindlich zum 1. August 2005 in Kraft treten kann.

In eigener Sache gehen die Mitglieder der KMK davon aus, dass das Gremium als Koordinierungsstelle der Länder für den Bildungsbereich auch in Zukunft fortbesteht. Niedersachsen hatte das Verwaltungsabkommen in der vergangenen Woche aufgekündigt, weil das Gremium zu teuer und zu bürokratisch sei.

Die baden-württembergische Kultusministerin und Koordinatorin der CDU-Länder, Annette Schavan, stellte sich zum Abschluss der Konferenz schützend vor die Institution. „Den Mitarbeitern des Sekretariats ist in den vergangenen Wochen großes Unrecht geschehen. So kann man nicht über sie reden.“ Die von der KMK bereits Ende 2003 eingesetzte Reformkommission soll bis Anfang Dezember Vorschläge machen. „Alle von uns streben das Abkommen von 16 Ländern an – aber nicht um jeden Preis“, sagte Schavan. Sie habe bisher nicht erkennen können, dass die Auffassungen Niedersachsens von denen der übrigen 15 Bundesländer substanziell abweichen.

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