Politik : KROATIEN

Caroline Fetscher

Kroatien beansprucht für sich, neben Slowenien, die größte Erfolgsgeschichte der ehemaligen jugoslawischen Republiken. Einst das Ferienparadies von halb Europa litt der Hauptwirtschaftszweig des Landes, die Tourismusindustrie, enorm unter den Zerfallskriegen und deren Folgen. Zügig machten man sich an den Wiederaufbau, Kroatien füllt nun in den Katalogen der Reiseanbieter wieder viele Seiten, und 2005 besuchten über zehn Millionen Touristen die Adriaküste, die Inseln – derer es tausend an der Zahl gibt – sowie die Seen- und Berglandschaften im Inland.

Erst mit der Überstellung des Ex-Generals Ante Gotovina ans Kriegsverbrechertribunal von Den Haag hat Zagreb allerdings unlängst die größte politische Hürde auf dem Weg nach Brüssel überwunden. Heute sehen die meisten der viereinhalb Millionen Einwohner mit mehr Optimismus in die Zukunft, auch wenn so mancher Unternehmer in einer korruptionsgewohnten Landschaft sich noch vor Transparenz und Kontrolle in einer EU scheut. Im April 2006 lag die Arbeitslosigkeit bei 17,6 Prozent, Tendenz sinkend. Beobachter hatten bei der Regierungsübernahme durch die nationalistisch geprägte Partei HDZ einen heftigen Rechtsruck befürchtet, der jedoch ausblieb. Ein gutes Gegengewicht bildet Kroatiens beliebter, charismatischer Präsident Stjepan „Stipe“ Mesic, der als aufrechter Demokrat gilt, und für den auch die Kooperation seines 1991 vom alten Jugoslawien unabhängig gewordenen Staates mit Den Haag nie ein Problem darstellte.

Menschenrechtler beklagen die geringe Rückkehrerquote einst vertriebener Serben: Von 350 000 sind bis Ende vergangenen Jahres etwa 122 000 in ihre Häuser und Wohnungen zurückgekehrt. Ethnische Animositäten erschweren an manchen Orten noch das angestrebte Klima der Aussöhnung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar