Politik : Kurz und bündig: Anatolij Sobtschak: Die Messer in meinem Rücken

Gerald Glaubitz

Anatolij Sobtschak: Die Messer in meinem Rücken. "Ein wahrer Petersburger Intellektueller, ein hoch gebildeter Mann, der seine Position, furchtlos vertrat." Diese Worte des russischen Präsidenten Putin charakterisieren treffend Anatolij Sobtschak, den berühmten russischen Rechtsprofessor und ehemaligen Bürgermeister St. Petersburgs. Der akademische Lehrer Putins verstarb im Februar diesen Jahres - an den Folgen einer Herzattacke und einer politischen Hetzkampagne. Die um Objektivität bemühte Darstellung liefert Innenansichten der Macht aus der Zeit der so genannten "Übergangsperiode" nach dem Untergang des Kommunismus 1991 bis heute. Gleichwohl erzählt Sobtschak eine sehr persönliche Geschichte. Denn er stellt die politischen Intrigen gegen sich in das Zentrum: Eine Machtclique um Jelzin hätte durch die (unbewiesenen) Korruptionsvorwürfe gegen ihn die demokratische Idee diskreditieren wollen. In Sobtschaks Abrechnung mit der noch immer einflussreichen sowjetischen Nomenklatura gewinnt der Leser ein ernüchterndes, aber realistisches Bild vom heutigen Russland. Andererseits lässt seine positive Einschätzung der politischen Integrität Putins hoffen. (Herbig Verlag, 2000. 224 Seiten. 39.90 DM)

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