Politik : Kurz und Bündig: Joachim Grawe, Jean-Paul Picaper: Streit ums Atom

Dagmar Dehmer

Atomkraft-Befürworter fordern sie ja schon immer, die ideologiefreie Debatte. Lohnt es sich also ein Buch zu lesen, in dem fast nur Atomkraft-Anhänger zu Wort kommen? Es gibt immerhin zwei Gründe, das Buch in die Hand zu nehmen. Zum einen gibt es einen interessanten Einblick in die "Feind-Beobachtung" der Atom-Lobby. Das Buch bietet also gleichzeitig auch eine gute Grundlage für die "Feind-Beobachtung" der Atomkraftgegner. So vertrittt beispielsweise der Philosoph Luc Ferry geradezu abenteuerliche Thesen. Seine vielleicht kurioseste führt von Hans Jonas, "den einige für einen echten Philosophen halten", zum Tierschutzgesetz Adolf Hitlers. Ferrys, so gesehen, logische Schlussfolgerung: "In den radikalen Vereinigungen stellt sich dieser Romantizismus explizit unter das Banner der Antihumanismus." Zwei Aufsätze der Sammlung sind aber dennoch lesenswert. Fédéric Pons beschreibt, wie Atombombe und Kernkraftwerke zur Quelle des französischen Nationalstolzes werden konnten. Und warum die feste Überzeugung, das könne auch gar nicht teuer genug sein, seit Anfang der 90er Jahre brüchig wird. Brigitte Sauzay, des Kanzlers Beraterin für deutsch-französische Angelegenheiten, lenkt den Blick dagegen auf die kulturellen Unterschiede. Während Franzosen stets bemüht sind, die Natur zu korrigieren, wünschen sich Deutsche eine wilde, ungezähmte Natur, um ihrer selbst willen. Kein Wunder also, dass sie die Atomkraft so verschieden bewerten. Der Rest des Buches ist reine Ideologie.

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