Politik : Ladies first

Die Bundeswehr will ihre Frauen fördern – doch die Soldatinnen fürchten unzufriedene Männer

Sven Lemkemeyer

Berlin - Die Bundeswehr strebt amerikanische Verhältnisse an - zumindest beim Anteil der Frauen in der Truppe. Die Quote soll von 5,4 auf 15 Prozent steigen. Festgeschrieben ist dies im Entwurf für ein Gleichstellungsgesetz, den das Kabinett abgesegnet hat und über den im Oktober im Bundestag abgestimmt werden soll. Danach sollen Frauen in der Bundeswehr besser gefördert und Teilzeitarbeit begrenzt ermöglicht werden.

Seit 2001 dürfen Frauen in allen Bereichen der Bundeswehr Dienst tun, doch der von einigen erwartete weibliche Run auf die Truppe blieb aus. Zwar stieg die Zahl der Berufs- und Zeitsoldatinnen auf derzeit insgesamt 10 204 an. Doch er unterscheidet sich in den einzelnen Truppenteilen deutlich. Während im Sanitätsdienst ein Viertel des Personals weiblich ist, liegt die Quote bei den Kampftruppen bei nur zwei Prozent. Einen zeitlichen Rahmen für die ehrgeizigen Pläne nennt der rot-grüne Entwurf nicht.

Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Soldatinnen im Bundeswehrverband, Katja Roeder, sagte dem Tagesspiegel, sie begrüße im Grundsatz das geplante Gesetz, das zum 1. Januar 2005 in Kraft treten soll. „Aber wir sehen in einigen Punkten noch Nachbesserungsbedarf.“ Dies gelte zum Beispiel für die geplante Quotenregelung bei Beförderungen. Diese sieht vor, dass bei gleicher Eignung und Leistung Bewerberinnen bevorzugt werden. „Das könnte aber in Einheiten, in denen Frauen stark unterrepräsentiert sind, dazu führen, dass die Männer benachteiligt sind, weil nur Frauen befördert würden", sagte Roeder, Oberleutnant im Sanitätsdienst. „Wir haben daher als Alternative jahrgangsbezogene Quoten vorgeschlagen."

Sie fürchtet sonst Spannungen und weitere Akzeptanzprobleme für die Soldatinnen. Zumal die Integration der Frauen in die Truppe, anders als vom Verteidigungsministerium verkündet, längst nicht abgeschlossen sei. Kritik übte sie auch an den Plänen, Gleichstellungsbeauftragte erst ab Divisionsebene – 10 000 Soldatinnen und Soldaten – wählen zu lassen. „Damit kämen wir auf 44 Beauftragte. Das sind viel zu wenig. Wir brauchen Gleichstellungsbeauftragte schon ab Regimentsebene, also ab rund 1000 Frauen und Männern“, forderte Roeder.

Ausgearbeitet werden zurzeit die konkreten Regelungen für Teilzeitarbeit. Sie sollen zeitgleich mit dem Gleichstellungsgesetz gelten. Nach dem Willen von Rot-Grün soll eine Teilzeitbeschäftigung nur zur Betreuung von Kindern oder eines pflegebedürftigen Angehörigen zeitlich begrenzt und nicht auf allen Dienstposten möglich sein. „Es ist klar, dass dies auf Schiffen und bei Auslandseinsätzen nicht funktionieren kann", sagte Roeder. Sie hält aber nicht zuletzt die Möglichkeit zu Teilzeitarbeit als entscheidend für die Frage, wie attraktiv die Bundeswehr für junge Frauen in Zukunft als Arbeitgeber sein wird: „Auch in diesem Punkt ist die Bundeswehr ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die Betreuung von Kindern übernehmen in den meisten Fällen immer noch die Frauen.“

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