Politik : Ländereinführungsgesetz: Seit zehn Jahren gliedert sich Ostdeutschland wieder in Länder

Robert Ide

Brandenburger Patrioten durften sich freuen. Jahrzehntelang war die heimliche Hymne ihres Heimatlandes - Titel: "Märkische Heide" - verpönt. Auch das von der SED ersonnene Ersatzlied für Arbeiter und Bauern, die DDR-Nationalhymne, durfte wegen ihres Bezuges zur deutschen Einheit nicht angestimmt werden. Mit dem Verschwinden der DDR im Sommer 1990 änderte sich das staatstragende Liedgut. Die ostdeutsche Nationalhymne erlangte Popularität, als die Zeile "Deutschland einig Vaterland" zum Leitspruch wurde. Kurz darauf war auch das Brandenburger Lied wieder landauf, landab zu hören. Grundlage dafür war ein Beschluss der Volkskammer vom 22. Juli 1990 zur Wiedereinführung der Länder. Vor zehn Jahren wurde aus den DDR-Bezirken Cottbus, Potsdam und Frankfurt/ Oder das alte, neue Land Brandenburg gebildet. Das 1923 vom Wanderer Gustav Büchsenschütz komponierte Heimatlied wurde zum Symbol für die neue Identität.

Mit dem so genannten Ländereinführungsgesetz schaffte die Volkskammer eines der letzten Relikte des SED-Staates ab. Im Jahre 1952 hatte die Staatspartei Ostdeutschland in 15 Bezirke aufgeteilt. Die ursprünglichen Länder Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg wurden im Handstreich abgeschafft - sie standen dem Aufbau eines "demokratischen Zentralismus" im Weg. Für manch verschlafene Orte wie Suhl bedeutete diese Umstrukturierung sogar Gutes - sie stiegen zur Bezirkshauptstadt auf.

38 Jahre später war es damit vorbei. Die Neugründung der Länder bereitete den Boden für die Einheit. Aufkleber wie "Ein Traum wird wahr - Land Thüringen" fanden reißenden Absatz. In Potsdam wurde derweil ein Heimatlied von 1923 zum Renner. Und das trotz des sozialistisch anmutenden Refrains: "Steige hoch, du roter Adler..."

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