Landgericht Nürnberg : Storch Heinar klappert weiter gegen Rechts

Artikel mit dem Label Storch Heinar, das die bei Rechtsextremisten beliebte Marke Thor Steinar auf die Schippe nimmt, können wahrscheinlich weiter verkauft werden. Der Nürnberger Richter empfahl die Rücknahme der Klage.

Philip Frank
Die Initiative "Endstation rechts" darf aller Voraussicht nach weiterhin T-Shirts mit der Satirefigur "Storch Heinar" verkaufen.
Die Initiative "Endstation rechts" darf aller Voraussicht nach weiterhin T-Shirts mit der Satirefigur "Storch Heinar" verkaufen.Foto: ddp

Storch Heinar darf voraussichtlich weiterhin als Label verwendet werden: Laut Internetauftritt der Initiative Endstation Rechts, die den von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Vogel mit Stahlhelm und Führerwahn ins Leben gerufen hatte, empfahl der Richter dem Kläger Mediatex, die Klage zurückzuziehen.

Der Bekleidungsfirma war die Anspielung auf ihr Label "Thor Steinar", das in der rechtsextremistischen Szene große Beliebtheit genießt, von Anfang an alles andere als recht. Die Firma fühle sich durch den Storch brüskiert und werfe den Initiatoren des Klamottenprojekts vor, sie würden ihre Markenrechte verletzen. Zudem sehe sie das Label verunglimpft, ist dem Internetauftritt von Endstation Rechts zu entnehmen.

Mediatex versuchte einen Tag nach Projektbeginn, die Marke für sich selbst zu patentieren – ohne Erfolg. Nun brachte sie die Firma „Storch Heinar“ vor Gericht, sie will den Verkauf der Kleidungsstücke und Accessoires einstellen lassen.

Beim Prozessauftakt am Mittwoch in Nürnberg bewerteten die Anwälte von Endstation Rechts die Chancen für Storch Heinar als gut. Und sie schienen richtig zu liegen: Die Marke Storch Heinar und Thor Steinar könnten nicht miteinander verwechselt werden, urteilte der Nürnberger Richter und empfahl die Rücknahme der Klage. Mediatex lehnte jedoch ab, somit muss noch auf das schriftliche Urteil im August gewartet werden. Endstation Rechts geht jedoch davon aus, dass die Klage abgewiesen wird.

Sechs Euro Lizenzgebühr

Lediglich für ein Produkt mit dem Namen "Wüstenfuchs" muss eine Lizenzgebühr bezahlt werden: Die Namensrechte an der Kampftasche hatte sich Mediatex schon gesichert. Da diese jedoch nur vier Mal von Storch Heinar verkauft wurde, fällt die zu bezahlende Gebühr mit weniger als sechs Euro äußerst gering aus. Der Anwalt des Beklagten wollte diese sofort in bar begleichen, was unter den Anwesenden für Erheiterung gesorgt haben soll. Mediatex wollte sich damit aber nicht zufriedengeben und verwies darauf, dass man abwarten müsse, wie das schriftliche Urteil in diesem Punkt ausfällt.

Die Vision Storch Heinar

Storch Heinar ist auf T-Shirts, Tassen und sogar Hundejacken zu sehen. Der Vogel karikiert Motive, die in der rechtsextremen Szene beliebt sind: So prunkt auf einem T-Shirt das Wort „Storchkraft“ – in Anspielung auf die Rechtsrockband Störkraft. In erster Linie richtet sich „Storch Heinar“ jedoch gegen das Modelabel „Thor Steinar“ der brandenburgischen Bekleidungsfirma Mediatex, das bei Rechtsextremen große Beliebtheit genießt. Dies wird unter anderem durch das Label „Die Vision Storch Heinar“ deutlich – eine Karikatur der Aufschrift „Division Thor Steinar“.

Das Klamottenprojekt wurde im Dezember 2008 von der Initiative Endstation Rechts ins Leben gerufen. Unter der Schirmherrschaft von Mathias Brodkorb, SPD-Abgeordneter im Mecklenburg-vorpommerischen Landtag, nimmt der Vogel seitdem Symbole des nazistischen Faschismus’ und nordischer Pseudo-Überlegenheit auf die Schippe.

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