• Landtagswahl in Brandenburg und Thüringen: SPD siegt in Brandenburg, CDU in Thüringen, zweistellige AfD

Landtagswahl in Brandenburg und Thüringen : SPD siegt in Brandenburg, CDU in Thüringen, zweistellige AfD

Die SPD gewinnt in Brandenburg, aber für Rot-Rot wird es eng. Die CDU gewinnt in Thüringen, aber für Rot-Schwarz wird es ebenfalls eng. Die AfD kommt in beide Landtage. Lesen Sie die Ereignisse des Tages in unserem Wahl-Blog nach.

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Der Ex und sein Nachfolger: Matthias Platzeck und Dietmar Woidke feiern Wahlsieg der SPD in Brandenburg.
Der Ex und sein Nachfolger: Matthias Platzeck und Dietmar Woidke feiern Wahlsieg der SPD in Brandenburg.Foto: dpa

Sieg und Desaster für die SPD. Triumph für die AfD und schwierige Mehrheitsverhältnisse. Die Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen liefern spannende Ergebnisse. Hier können Sie den Tag in unserem Wahl-Blog nachlesen. Die Hashtags für Twitter lauten: #ltwbb für Brandenburg und #ltwth für Thüringen. Außerdem gibt es hier eine Twitterliste für Brandenburg und Thüringen.

+++ 23:45 Uhr: Vielen Dank +++

Wie geht es weiter in Brandenburg und was fangen die Thüringer mit dem Ergebnis an? Diese Fragen werden weiter diskutiert in den kommenden Tagen. Wir bedanken uns an dieser Stelle für ihr Interesse an unserem Blog und wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine gute Nacht.

+++ 22:56 Uhr: In Brandenburg wird es für Rot-Rot knapp +++

Dietmar Woidke kann sein Amt als Ministerpräsident ziemlich sicher behalten. Im Prinzip kann er auch zwischen zwei Optionen wählen, allerdings wird es für eine Neuauflage von Rot-Rot eng. Denn es könnte am Ende nur eine Stimme Mehrheit für Rot-Rot sein und es zu erwarten, dass Woidke dann eher ein Bündnis mit der CDU anstreben wird.

+++ 22:39 Uhr: Amtliches Endergebnis in Thüringen +++

Die CDU hat die Landtagswahl in Thüringen zwar klar mit 33,5 Prozent gewonnen. Ob Regierungschefin Christine Lieberknecht aber weiter regieren kann ist offen. Denn sowohl Schwarz-Rot als auch Rot-Rot-Grün kommen auf eine knappe Mehrheit von einer Stimme. Damit kommt der SPD in Thüringen eine Schlüsselrolle zu - obwohl die Sozialdemokraten dort dramatisch verloren haben und nur auf 12,4 Prozent der Stimmen kommen. Die AfD kommt aus dem Stand auf 10,6 Prozent. Die Grünen erzielen 5,7 (6,2) Prozent. Die FDP stürzt nach 7,6 Prozent im Jahr 2009 auf 2,5 Prozent ab. Die Linken kommen auf 28,2 Prozent - ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl.

+++ 22:38 Uhr: Amtliches Endergebnis in Brandenburg +++

Die SPD hat die Landtagswahl in Brandenburg gewonnen. Sie erreichte am Sonntag nach Auszählung aller Stimmen 31,9 Prozent, wie der Landeswahlleiter mitteilte. Die Sozialdemokraten könnten mit der CDU (23
Prozent) oder mit der Linken (18,6 Prozent) regieren. Die Grünen verbuchten mit 6,2 Prozent leichte Zugewinne (plus 0,5 Punkte) und schafften den Wiedereinzug in den Landtag. Die eurokritische Alternative für
Deutschland (AfD), die erstmals antrat, schaffte auf Anhieb 12,2 Prozent. Die FDP ist nicht mehr im Landtag vertreten.

+++ 22:28 Uhr: Herr Wichmann holt Direktmandat in Brandenburg +++

Henryk Wichmann hat für die CDU mit 38,0 Prozent das Direktmandat im Wahlkreis 10 (Uckermark III/Oberhavel IV) gewonnen. Erstmals nach der Wende konnte sich ein Christdemokrat in der Region gegen SPD und Linke durchsetzen. „Ich bin überglücklich. Es ist ein Unterschied, ob man über einen Listenplatz seiner Partei in den Landtag einzieht oder ob man das Direktmandat von Bürgern vor Ort bekommt“, sagte der 37-Jährige. Er war durch die Filme „Herr Wichmann von der CDU“ (2002) und „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ (2012) von Andreas Dresen bekannt worden. Darin zeichnete der Regisseur die Mühsal eines Kandidaten beziehungsweise Landtagsabgeordneten nach.

Bernd Lucke genießt den Wahlerfolg der AfD.
Bernd Lucke genießt den Wahlerfolg der AfD.Foto: dpa

+++ 22:24 Uhr: Nur ein Direktmandat für die SPD in Thüringen +++

Die SPD in Thüringen hat nur ein Direktmandat gewonnen: Matthias Hey hat in Gotha. Der Rest geht an Linke und CDU.

+++ 22:00 Uhr: Schönbohm: "Die AfD hat überall gewildert" +++

Jörg Schönbohm (CDU) glaubt nicht, dass der Erfolg der AfD nur zu Lasten einer Partei geht. "Die haben überall gewildert", sagte er dem Tagesspiegel. Das ganze Interview mit dem langjährigen brandenburgischen Innenminister können Sie hier lesen.

+++ 21:51 Uhr: Weiter enges Rennen in Thüringen +++

Nach einer neuesten Hochrechnung der ARD sind nun aufgrund von Überhangmandaten nicht mehr 45 Sitze entscheidend, sondern 46. Und sowohl eine große Koalition als auch ein rot-rot-grünes Bündnis hätten diese knappe Mehrheit. Bodo Ramelow hatte sicher mit einer klareren Mehrheit für Rot-Rot-Grün gerechnet, doch vor allem die SPD hat schwach abgeschnitten. SPD-Spitzenkandidatin Heike Taubert sieht aber keine persönlichen Fehler. "Ich habe keine Fehler gemacht", sagte sie dem Tagesspiegel. Hier das ganze Interview.

Landtagswahl Thüringen 2014
Und jetzt mal recht freundlich: Bodo Ramelow (Linke) sieht am Sonntagabend nicht unbedingt wie ein designierter Ministerpräsident aus. Amtsinhaberin Christine Lieberknecht (CDU) zieht nur vorübergehend eine Schnute, den meisten Teil des Abends wird gestrahlt über rund 33 Prozent der Stimmen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 30Foto: dpa
14.09.2014 21:25Und jetzt mal recht freundlich: Bodo Ramelow (Linke) sieht am Sonntagabend nicht unbedingt wie ein designierter Ministerpräsident...

+++ 21:45 Uhr: Manfred Stolpe bedauert niedrige Wahlbeteiligung

Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) bedauert die niedrige Wahlbeteiligung in Brandenburg. "Das ist schade. Sicherlich hat eine Rolle gespielt, dass viele dachten, die Sache sei längst entschieden. Und das Wetter war gemischt. Aber es ist insgesamt bei den Menschen ein mangelndes Interesse an Mitarbeit festzustellen – das gilt auch für die Wahlbeteiligung." Stolpe hält die Diskussionen um den Flughafen BER für ein wichtiges Thema des Wahlkampfes. "Es sind viele Fehler gemacht worden, etwa bei der Beteiligung der Bürger oder beim fehlenden Generalunternehmer. Ganz zu schweigen vom Standort Schönefeld. Mein alter Traum von Sperenberg ist ja leider davongeflogen. Aber nun werden wir die Probleme Schritt für Schritt abarbeiten. Und dann bin ich mir sicher, dass der BER im Herbst 2016 eröffnen wird. Das sagt mir meine Erfahrung."

Landtagswahl in Brandenburg 2014
Geschafft: SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke und sein Vorgänger Matthias Platzeck, der mitten in der vergangenen Legislaturperiode zurückgetreten war.Weitere Bilder anzeigen
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14.09.2014 20:49Geschafft: SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke und sein Vorgänger Matthias Platzeck, der mitten in der vergangenen...

+++ 21:16 Uhr: Lucke will konstruktive Gespräche +++

Der AfD-Bundesvorsitzende Bernd Lucke sagte mit Blick auf beide Landtagswahlen, seine Partei wolle sich "konstruktiven Gesprächen" nicht verweigern. CDU-Generalsekretär Tauber sagte jedoch, seine Partei bleibe bei ihrer "sehr klaren Strategie der Abgrenzung von der AfD".

+++ 21:15 Uhr: Auch Freie Wähler im Landtag in Brandenburg +++

Eine kleine Sensation: Christoph Schulze gewinnt das Direktmandat im Wahlkreis 25 "Teltow-Fläming III". Zwar hat er das auch 2009 gewonnen, aber damals noch für die SPD, jetzt ging er für die "Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen / Freie Wähler" an den Start. Laut Landeswahlgesetz erhält die Bürgerbewegung BVB/Freie Wähler entsprechend ihres Anteils an den Zweitstimmen dann weitere Sitze. Nach Angaben einer Sprecherin des Landeswahlleiters sind insgesamt zwei bis drei Mandate für BVB/Freie Wähler wahrscheinlich, wenn sie zwischen zwei und drei Prozent der Zweitstimmen holen sollten. Für die anderen Fraktionen gibt es im Gegenzug einen Ausgleich. Schulze hat den Wahlkreis seit 1990 immer gewonnen, zuvor allerdings für die SPD, aus der er 2013 ausgetreten war. Er ist ausgewiesener Gegner des neuen Hauptstadtflughafens.

+++ 20:52 Uhr: Desaster für die SPD in Thüringen +++

Unverhohlen macht SPD-Chef Sigmar Gabriel den Landesverband in Thüringen für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Zu viele interne Streitigkeit und zu unklare Positionen in Sachen Regierungsbeteiligung seien beim Wähler nicht gut angekommen.

+++ 20:45 Uhr: Thüringens CDU-Fraktionschef warnt SPD vor überzogenen Erwartungen +++

Thüringens CDU-Fraktionschef Mike Mohring rechnet mit schwierigen Verhandlungen für eine Fortsetzung der Koalition mit der SPD. „Zunächst muss sie sich nicht verstecken für ihre Arbeit“, sagte Mohring am Sonntag in
Erfurt mit Blick auf die SPD und die gemeinsame Regierungsarbeit seit 2009. Allerdings dürfe sie bei ihren Forderungen „auch nicht überziehen“, betonte er. Die Regierungsmehrheit im Thüringer Landtag werde vermutlich sehr knapp sein, fügte er hinzu. Mit Blick auf den Wahlerfolg der Alternative für Deutschland (AfD) forderte er dazu auf, sich nun „intensiv“ mit der Partei im Parlament auseinanderzusetzen.

Der Frust kann nur weggespült werden - die Sozialdemokraten in Thüringen.
Der Frust kann nur weggespült werden - die Sozialdemokraten in Thüringen.Foto: dpa

+++ 20:17 Uhr: Die FDP am Ende +++

Vor ein paar Monaten wäre es vielleicht eine Nachricht, jetzt ist es eine Randnotiz: Die FDP-Spitze in Brandenburg tritt zurück. Die Liberalen sind nun in keinem ostdeutschen Parlament mehr. 2,4 Prozent in Thüringen, 1,4 Prozent in Brandenburg - die Liberalen rangieren nur noch unter den Sonstigen. Der Bundesvorsitzende Christian Lindner tritt im Thomas-Dehler-Haus auf. "Die Durststrecke für die Freien Demokraten ist noch nicht zu Ende." In Brandenburg und vor zwei Wochen in Sachsen hatten die Landesverbände auf Lindners Unterstützung gepfiffen - so befreit der Untergang den Vorsitzenden immerhin ein Stück weit von lästigen Kritikern. "Wir wollen, dass es auch weiter eine andere politische Farbe gibt." Linder versucht dem Eindruck entgegen zu treten, die FDP sei schon klinisch tot. Die Lage in den 90er-Jahren sei ähnlich dramatisch gewesen. "Damals wurde unterschätzt, wie viel Kraft in unserer Idee steckt, wenn wir sie konsequent vertreten." So sieht es unser Karikaturist Klaus Stuttmann. Mehr von ihm gibt es hier.

Karikatur: Klaus Stuttmann

+++ 19:48 Uhr: Woidke hält sich Optionen offen +++

Die SPD hat bei der Wahl in Brandenburg ihre Spitzenposition behauptet und kann nun den Koalitionspartner wählen. Die Partei um Ministerpräsident Dietmar Woidke kann sowohl das Bündnis mit der geschwächten Linkspartei fortsetzen, könnte aber auch mit der CDU eine Regierung bilden. Der Regierungschef bot beiden Parteien am Sonntagabend Sondierungen an. Seine Partei werde prüfen, mit welchem Partner die Herausforderungen der kommenden Jahre vernünftig zu lösen seien, sagte er sowohl in der ARD als auch im ZDF. Es gebe "nach wie vor keine Priorität". Vor seinen jubelnden Anhängern sagte Woidke, noch vor zwölf Monaten habe er einen solchen Erfolg nicht für möglich gehalten. "Wir sind weiterhin die Brandenburg-Partei." SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel sagte in der ARD, Woidke werde eigenständig entscheiden, welche Konstellation am ehesten in der Lage sei, Brandenburg voranzubringen.

Landtagswahl in Brandenburg 2014
Geschafft: SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke und sein Vorgänger Matthias Platzeck, der mitten in der vergangenen Legislaturperiode zurückgetreten war.Weitere Bilder anzeigen
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14.09.2014 20:49Geschafft: SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke und sein Vorgänger Matthias Platzeck, der mitten in der vergangenen...

+++ 19:46 Uhr: FAZ konnte das Wasser nicht halten +++

Wir blicken nochmal kurz zurück auf 18 Uhr. Oder besser: 17:57 Uhr, da twitterte die FAZ bereits, dass die CDU stärkste Kraft geworden sei und die AfD auch in den Landtag einziehe. Drei Minuten zu früh.

+++ 19:38 Uhr: Gauland von der AfD: "Unser Anspruch ist weitreichender" +++

Eine Tonstörung ging dem großen Jubel bei der AfD-Wahlparty in Potsdam voraus. „Kann die ARD mal dafür sorgen, dass wir Ton bekommen?“, fragte der Moderator kurz vor 18 Uhr in den Saal im historischen Kutschstall-Ensemble, ironischerweise saniert mit Hilfe von EU-Mittel, wie ein Schild am Eingang verkündet. Auch sonst einige Doppelzüngigkeit: Manch ein AfD-Mitglied musste schmunzeln, dass ausgerechnet die ARD nun helfen sollte, deren Gebührenfinanzierung die AfD abschaffen will. Beim tonlosen Bild blieb es dann, Jubel brach trotzdem aus. Zuerst als in Thüringen die Prognose 10 Prozent für die AfD zeigte. Parteichef Bernd Lucke flüsterte seinem Vize Hans-Olaf Henkel da aufgeregt ins Ohr: „Wenn das in Thüringen schon zehn Prozent sind, was wird dann erst in Brandenburg passieren...“ Als dort 12 Prozent zu sehen sind, hebt Alexander Gauland die Arme hoch, es ist eine Geste, die man so nicht von ihm kennt. Beatrix von Storch, die EU-Abgeordnete, umarmt ihn. Gauland sagt: „Wenn man persönliches und politisches nicht verquicken sollte, dann würde ich sagen: Das ist der glücklichste Tag in meinem Leben.“ Dann bedankt er sich bei den Wählern, und auch bei der Bundes-AfD, denn die AfD in Brandenburg habe ja noch nicht mal eine eigene Geschäftsstelle. „Wir sind in der deutschen Politik angekommen“, ruft Gauland, bevor er von der Bühne tritt. Besonders viel diskutiert wird unter den Mitgliedern darüber, dass man offenbar diesmal auch viele Stimmen aus dem Reservoir von Linkspartei und SPD bekommen hat. Bernd Lucke sagt später dem Tagesspiegel, das überrasche ihn nicht. Wir setzen uns für eine soziale Marktwirtschaft ein, unsere Themen sind auch für linke Wähler attraktiv. Mit dem Slogan der „konservativen Volkspartei“, den die AfD Sachsen für sich in Anspruch nimmt, stimme er nicht ganz überein. „Unser Anspruch ist weitreichender.“

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