Lange Nacht : Die US-Wahl - eine Gebrauchsanweisung

Wer in Deutschland die US-Wahl live verfolgen will, muss lange wach bleiben - oder früh aufstehen. Erste Wahllokale schließen um 19 Uhr Ostküstenzeit, 1 Uhr deutscher Zeit.

Fabian Leber[Washington]
F. Leber ist Redakteur im Ressort Meinung des Tagesspiegels.
F. Leber ist Redakteur im Ressort Meinung des Tagesspiegels.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Zu dieser Zeit haben die Wähler in Indiana, Kentucky, Georgia, South Carolina, Vermont und Virgina ihre Entscheidung getroffen. Direkt nach Schließung der Wahllokale werden die großen US-Sender ihre Prognosen für diese Staaten veröffentlichen. In der ersten Staatengruppe ist das Ergebnis von Virginia am interessantesten. Dieser traditionelle Südstaat vor den Toren Washingtons hat seit 1964 nicht mehr für einen demokratischen Kandidaten gestimmt. Vor vier Jahren lag John F. Kerry hier mehr als acht Prozent hinter George W. Bush. Die letzte CNN-Umfrage sieht dagegen Barack Obama mit 47 zu 44 Prozent leicht in Führung vor John McCain.

Obama schloss einen Wahlkampf am Montagabend in Manassas Park, Virginia, ab. Sollte er den Staat mit seinen 13 Wahlleuten tatsächlich gewinnen, wäre das eine wichtige Vorentscheidung für die Wahlnacht. Gelaufen wäre das Rennen aber noch nicht. Obama müsste zusätzlich mindestens einen der großen Swing States Ohio (20 Wahlleute) oder Florida (27 Wahlleute) holen, um schon früh in der Nacht für eine Entscheidung zu sorgen.

Oder aber er müsste überraschend Indiana gewinnen (11 Wahlleute). Dort liegt er nach letzten Umfragen leicht hinter McCain. Die Wahllokale in Indiana schließen um 1 Uhr, in Ohio um 1:30 Uhr und in Florida um 2 Uhr deutscher Zeit.

Und wieder könnte es heißen: "Too close to call"

Auch dann wird es Prognosen der Fernsehsender geben, es könnte aber zunächst heißen: „Too close to call“. Damit machen die Meinungsforscher klar, dass es noch zu früh für eine Vorhersage ist. Zur Erinnerung: Bei der Skandalwahl im Jahr 2000 gab es erst zur Frühstückszeit in Deutschland ein – dann auch noch umstrittenes – Ergebnis aus Florida. Und auch diesmal wird es in Ohio und Florida wohl knapp werden, wobei Obama zumindest in Florida mit einem leichten Vorteil startet. Ebenfalls um 2 Uhr deutscher Zeit schließen die Wahllokale in Pennsylvania, auf das die McCain-Kampagne große Hoffnungen setzt, das aber generell eher zu den Demokraten tendiert. Auch die letzten Umfragen signalisieren hier einen Vorsprung für Obama.

Weiter geht es um 3 Uhr deutscher Zeit unter anderem mit Colorado und New Mexico. Diese Staaten stimmten vor vier Jahren mehrheitlich republikanisch, die Umfragen sprechen aber auch hier eher für Barack Obama. Das gleiche gilt für Iowa, den dünn besiedelten Staat im Mittleren Westen, in dem Obama vor elf Monaten seine erste Vorwahl gegen Hillary Clinton gewann (die Wahllokale schließen dort erst um 4 Uhr deutscher Zeit). Sollte Obama zu dieser Zeit bereits Virginia gewonnen haben, würde es ihm schon reichen, einen der drei Staaten Colorado, New Mexico oder Iowa zu holen.

Nevada könnte entscheiden

Ohne Virginia (und ohne Florida oder Ohio) wäre er darauf angewiesen, alle drei Staaten zusammen zu gewinnen. Sollte das Rennen auch nach dieser Zeit noch nicht entschieden sein, könnte die Entscheidung schließlich nach 4 Uhr deutscher Zeit im Wüstenstaat Nevada mit seinen fünf Wahlmännerstimmen fallen. Auch dort liegt nach Umfragen Obama vorne, obwohl John McCain aus dem Nachbarstaat Arizona kommt.

Keine große Rolle werden an diesem Abend die Staaten im äußersten Westen der USA spielen – obwohl Kalifornien mit 55 Wahlleuten den größten Stimmenblock stellt. Seit 1992 wird der Sonnenstaat kontinuierlich dem demokratischen Lager zugerechnet, gleiches gilt für Oregon, Hawaii und Washington State. In den Weststaaten haben McCain und Obama zuletzt so gut wie keinen Wahlkampf mehr gemacht. Als letztes schließen die Wahllokale in Alaska, um 6 Uhr deutscher Zeit. Doch auf das Ergebnis von Sarah Palins Heimatstaat wird es dann nicht mehr ankommen.

Fabian Leber ist Politikredakteur des Tagesspiegels und berichtet über die US-Wahl aus Washington. Zuvor bereiste er mit dem Edward-F.-Murrow-Programm des US-Außenministeriums mehrere Bundesstaaten der USA.

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