Politik : Langer Marsch zum Mars

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Lange nichts mehr vom Marsch durch die Institutionen gehört. Vermutlich liegt es daran, dass die ersten Marschierer inzwischen pensioniert und insofern schon ein wenig fußlahm geworden sind. Außerdem ist das Konzept – Theorie entwickeln, Kader schulen, Kader heimlich in Institutionen des Feindes einschleusen, Institutionen langsam von innen aushöhlen – für die Internetgeneration viel zu langsam.

Deshalb geht der neue Marsch viel rasanter vor sich und startet von oben. Gestern hat Matthias Berninger, Renate Künasts ehemaliger grüner Staatssekretär, seinen neuen Job als Chef der Ernährungsabteilung bei „Masterfoods“ in Brüssel angetreten und sofort einen Pfeiler der Unternehmensstrategie zum Einsturz gebracht: Die Werbung für „Mars“ und „Snickers“ soll sich bald nicht mehr an Kinder unter zwölf Jahren richten.

Das ist mehr als nur ein Anfang – es ist eine Revolution. Womöglich gibt es „Mars“ bald nur noch in sinistren Schokoporno-Kneipen, es wird über geheime Internetforen gehandelt und mit Warnaufklebern („Mars macht fett, in Arbeit, Sport und Bett“) versehen – viel Aufwand für ein Produkt, das normal veranlagte 13- bis 99-Jährige ohnehin direkt ins diabetische Koma stößt.

Berninger denkt vermutlich weiter, geht an die Substanz des Produktes. Warum sollte „Mars“ auf ewig aus Zucker, Fett, Schokolade, Emulgatoren, Stabilisatoren und anderen Ausgeburten der Ernährungshölle bestehen? Knackige Möhrenstreifen, umwickelt mit staubigen Getreideflocken, dazu Kichererbsen aus fairem Handel statt der garantiert unfairen „Snickers“-Erdnüsse: Damit wäre ein großer Schritt getan. Und der neue Name „Venus“ würde auch der Geschlechtergerechtigkeit entsprechen.

Aber wie reagieren die Kinder? Wenn einmal in der Szene das Urteil „Ey, Mama, das schmeckt ja krass kacke!“ gefällt ist und die ökologisch korrekten Krümel die Playstation-Tasten blockieren, dann könnte es dunkel werden um Masterfoods und seinen neuen grünen Chefberater. Wie weit wird sein langer Marsch noch gehen?

Er ist noch jung. Kann Coca-Cola unterminieren, McDonalds auf Vollwertkost umstellen oder Kartoffelchips nur noch an Rentner austeilen. Und notfalls seinen Marsch in der nächsten rot-grünen Bundesregierung fortsetzen.

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