Politik : Lazarett und Lebensmittel

Wie sich die Hilfsorganisationen auf Flüchtlinge vorbereiten

Ulrike Scheffer

Wenn die Waffeninspekteure den Irak verlassen, geht es los. „Dann wissen wir, dass die ersten Flüchtlinge bald kommen werden“, sagt Simone Pott, Sprecherin der Welthungerhilfe. Die deutsche Organisation hat sich auf einen Irak-Krieg vorbereitet. In Jordanien, wo das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zwei Auffanglager einrichten will, wird sie die Versorgung von insgesamt 5000 Flüchtlingen mit so genannter Zusatznahrung übernehmen. „Das sind vor allem haltbare Lebensmittel, Wasser und Milch. Der Aufkauf in Jordanien läuft schon, in den kommenden Tagen werden wir auch eine Lagerhalle anmieten“, erklärt Pott. Andere Organisationen hätten zugesagt, Brot, Matratzen oder auch Kerosinlampen zu liefern.

Insgesamt, so schätzen die UN, könnten mehr als 600 000 Flüchtlinge den Irak verlassen, wenn es zu einem Krieg kommt. Alle sechs Nachbarländer des Landes, die Türkei, Iran, Syrien, Saudi-Arabien, Kuwait und Jordanien, müssen mit massiven Flüchtlingsströmen rechnen. Doch auch die Menschen, die im Land bleiben, werden auf Unterstützung angewiesen sein. Rund 60 Prozent aller Hilfsgüter sollen nach einem Krieg von Jordanien aus in den Irak transportiert werden. Die jordanische Hauptstadt Amman ist die Schaltstelle der internationalen Hilfe. Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt haben hier eine gemeinsame Anlaufstelle eingerichtet, die auch die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen koordiniert. Das größte Problem bei den Vorbereitungen: „Wir müssen planen, ohne zu wissen, wie viel Geld wir zur Verfügung haben werden“, sagt Pott. Die Organisationen sind gezwungen, zunächst auf Reserven zurückgreifen, denn erst wenn der Krieg tatsächlich ausbricht und Flüchtlinge unterwegs sind, können sie zu Spenden aufrufen. Zusagen für staatliche Gelder gibt es ebenfalls kaum, schon gar nicht in Deutschland. „Wir wollen einen Krieg verhindern und es nicht zu einer humanitären Katastrophe kommen lassen“, hieß es bisher in der Berliner Regierung. Erst am Wochenende hat Bundeskanzler Schröder eingeräumt, dass auch er eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts nunmehr für unwahrscheinlich hält.

Deutschland stand mit seiner Haltung nicht allein. „Nur wenige Länder wollten sich in den vergangenen Wochen öffentlich zu ihren Vorbereitungen bekennen“, sagt UNHCR-Sprecher Peter Kessler in Genf. Die Folge: Das Flüchtlingshilfswerk hat zwar detaillierte Pläne für den Kriegsfall, doch es benötigt noch mindestens 44 Millionen US-Dollar, um sie auch umsetzen zu können. Das Geld muss von den einzelnen UN-Mitgliedsstaaten direkt eingezahlt werden. „Bisher haben wir nur rund 16,6 Millionen US-Dollar in der Irak-Kasse“, sagt Kessler. Einer der wichtigsten Geldgeber sind die USA. Für Kessler ist das kein Problem: „Den Flüchtlingen ist es egal, wer die Decke bezahlt hat, auf der sie schlafen“, sagt der UNHCR-Sprecher.

Eine besondere Rolle wird dem Internationalen Roten Kreuz zukommen. Als einzige Hilfsorganisation wird es gemeinsam mit seiner islamischen Schwester, dem Roten Halbmond, während eines Krieges im Irak selbst Hilfe leisten. Die irakischen Krankenhäuser hat das Rote Kreuz vorab mit Notfallmedikamenten ausgestattet. „In Merl bei Bonn steht zudem ein Feldlazarett für die Versorgung von bis zu 200 000 Menschen fertig verpackt bereit, das wir jederzeit in die Krisenregion bringen können“, sagt die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes, Maike Just. Sollte es wirklich zum Krieg kommen, fügt sie hinzu, stünden im gesamten Nahen Osten 81 000 Mitarbeiter für einen Einsatz bereit. Und dieser Einsatz wird von Tag zu Tag wahrscheinlicher.

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