Politik : Lehrstunde für Leverkusen

Der englische Rekordmeister FC Liverpool hat Bayer Leverkusen im eigenen Stadion aus der Champions League geschossen. Nach einem 3:1 vor vierzehn Tagen an der Anfield Road siegte Liverpool auch im Rückspiel am Mittwochabend in der BayArena mit dem identischen Ergebnis.

Leverkusen (09.03.2005, 23:10 Uhr) - Der Spanier Luis Garcia machte mit einem Doppelschlag (28./32.) innerhalb weniger Minuten alle Hoffnungen der Leverkusener auf ein «Fußball-Wunder» und ihre dritte Viertelfinal-Teilnahme in der europäischen Königsklasse bereits vor der Halbzeitpause zunichte. Vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena besiegelte der Tscheche Milan Baros (67.) die Leverkusener Pleite endgültig. Jacek Krzynoweks Treffer (88.) kam viel zu spät.

Die ohne fünf Leistungsträger angetretenen Gastgeber fanden nie den «goldenen Mittelweg» zwischen durchschlagskräftigem Angriff und sattelfester Abwehrarbeit. «Der Substanzverlust ist einfach zu groß», musste auch Sportdirektor Rudi Völler bereits in der Pause eingestehen. «Ein bis zwei Spieler kann man mal ersetzen, aber nicht so viele.» Liverpool trat hingegen selbstbewusst auf und war in fast allen Belangen überlegen. Vor allem in punkto «Coolness» und Zielstrebigkeit erteilten die «Reds» dem Team von Trainer Klaus Augenthaler geradezu eine Lehrstunde.

Der Coach suchte nach der Partie auch gar nicht erst nach Entschuldigungen. «Wenn man 3:1 zu Hause verliert, hat man wenig Argumente. Natürlich mussten wir einige Leute ersetzen, aber Liverpool war einfach eine Klasse besser», sagte Augenthaler, nahm seine Spieler aber zugleich in Schutz: «Ich glaube nicht, dass die letzte Leidenschaft gefehlt hat, es war einfach eine gewisse Unsicherheit da.»

Bayer begann mit engagiertem, aber keinesfalls bedingungslos offensivem Spiel. Zu groß war der Respekt vor dem schnellen FC-Kapitän Steven Gerrard, der von Trainer Rafael Benitez nach seiner Gelbsperre im Hinspiel als hängende Spitze eingesetzt wurde, und dem wendigen Baros - zurecht, wie sich schnell zeigen sollte.

Denn während die Leverkusener Offensiv-Bemühungen ohne die gelb-gesperrten Kreativspieler Robson Ponte und Paul Freier arg ideenlos und blutleer blieben, wirkte die wegen der Verletzungen der Stammkräfte Jens Nowotny, Juan und Roque Junior neu formierte Vierer-Abwehrkette von Beginn an wenig sattelfest. Vor allem Youngster Jan-Ingwer Callsen-Bracker bekam Baros kaum in den Griff. Glück hatte der 20-Jährige, als er den EM-Torschützenkönig im eigenen Strafraum foulte, der französische Schiedsrichter Alain Sars den eigentlich fälligen Elfmeter jedoch verweigerte.

Doch nachdem Bayer nur durch einen Schuss von Daniel Bierofka (25.) zu dem Ansatz einer Chance kam und Torhüter Jörg Butt zunächst noch gegen den stark auftrumpfenden Gerrard klären konnte, schlug Garcia zu: Zunächst spitzelte der bereits im Hinspiel erfolgreiche 26-Jährige nach Zuspiel von Gerrard den Ball ins Netz, bevor er einen Kopfball von Igor Biscan unhaltbar für Butt abfälschte.

Nach dem Wechsel war das Augenthaler-Team bemüht, trotz der aussichtslosen Situation Charakter zu zeigen. So sprangen gegen die nun gelassen agierenden Gäste durch Franca (56./60.) und den nach einer guten halben Stunde für den angeschlagenen Dimitar Berbatow eingewechselten Andrej Woronin (58.) zwar mehr Chancen heraus, doch die Probleme blieben. Als der für den enttäuschenden Spielmacher-Ersatz Jason Donovan auf das Feld gekommene Clemens Fritz den Ball unabsichtlich zu Baros lenkte, ließ der sich die Chance nicht nehmen. Krzynoweks Rechtsschuss zum 1:3 hatte nur noch statistischen Wert.

(Von Andreas Schirmer, dpa) ()

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