Politik : Leidenschaftlich für Europa

Trauerfeier für Kanzlerberaterin Brigitte Sauzay

Hermann Rudolph

Vor rund zehn Jahren hat sie das Berlin-Brandenburgische Institut für Deutsch-Französische Zusammenarbeit mitbegründet. Nun, an einem trüben Novemberfreitag, gedachten ihrer Repräsentanten aus beiden Ländern und viele Gäste in einer Trauerfeier: Brigitte Sauzay, die vor gut zweieinhalb Wochen im Alter von nur 55 Jahren in Paris gestorben ist. Noch immer war die Betroffenheit darüber in dem kleinen Schloss in Genshagen, in dem das Institut seinen Sitz hat, fast körperlich spürbar. Und aus den Reden, die gehalten wurden, entstand noch einmal, vertieft durch die Lebendigkeit ihres Gesichts an der Frontseite des Saales, das Bild einer eindrucksvollen Frau.

Das spiegelte sich zuerst in der Wirkung der Person: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck rühmte ihre „sanfte Leidenschaft“; Altbundespräsident Richard von Weizsäcker hob ihre „menschliche Hellsicht und Wärme“ hervor; der frühere französische Botschafter in Deutschland, Henri Froment-Meurice, sah sie charakterisiert durch ihr Wissen, ihre intellektuelle Unabhängigkeit, ihren Mut. Andere erinnerten sich an anderes: ihren Charme, ihre behutsame Nachdenklichkeit, die Unermüdlichkeit, mit der die Genshagener Direktorin zwischen Paris und Berlin unterwegs war.

Aber diese Trauerstunde rief vor allem auch den politischen Umriss dieser französischen Offizierstochter aus der Provence herauf. Brigitte Sauzay war ja an der Wiege, wie Rudolf von Thadden, ihr Mit-Direktor, in Erinnerung rief, wahrhaftig nicht gesungen worden, dass sie gut drei Jahrzehnte ihres Lebens dem Verhältnis von Franzosen und Deutschen widmen würde. Erst dolmetschte sie Schmidt und Giscard d’Estaing, Kohl und Mitterrand, dann wurde sie, von Gerhard Schröder berufen, die erste französische Beraterin eines deutschen Kanzlers. Wenn die beiden Länder heute einander so nahe seien wie nie zuvor, so Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier, dann sei das auch ihr zu verdanken. Er erinnerte an ihre europäische Passion und überlieferte ihren Ausspruch: Nach den europäischen Tragödien sei es „an der Zeit, zu begreifen, was für ein Glück es sei, Europäer zu sein“.

Der Kanzler hatte kommen wollen, weshalb sich das märkische Schloss ungewohnt polizeibewehrt darstellte, war dann aber doch verhindert. Es wurde eine würdige und doch irgendwie familiäre Trauerfeier. Mit einer Kondolenzbotschaft von Premierminister Jean-Pierre Raffarin, verlesen von Frankreichs Botschafter Claude Martin. Mit Brigitte Sauzays Familie, ihrem Mann, Christian Stoffaes, und ihren Kindern, in der ersten Reihe. Richard von Weizsäcker, der einst ihre schönen deutsch-französischen Meditationen „Retour à Berlin“ in Deutschland vorgestellt hat: „Was sie geleistet hat, ist ohne Beispiel“.

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