Libanon : Demonstranten attackieren Sitz der libanesischen Regierung

Nach der Beisetzung des ermordeten Geheimdienstchefs eskalieren im Libanon die Proteste. In Beirut versuchen aufgebrachte Bürger, den Sitz der Regierung zu stürmen. Die Polizei reagiert mit Schüssen und Tränengas. Die Armee rückt mit Panzern an.

Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei in Beirut.
Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei in Beirut.Foto: dapd

Im Libanon ist es nach der Trauerkundgebung für die Opfer des Anschlags vom Freitag zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Aufgebrachte Bürger durchbrachen in Beirut nach Angaben von Augenzeugen am Sonntag Zugangssperren und versuchten, den Sitz der Regierung zu stürmen. Die Polizei setzte Tränengas ein, zudem waren Schüsse zu hören. Mehrere Menschen sollen verletzt worden sein. Die Armee rückte mit Panzern zur Verteidigung des Gebäudes an.

Zuvor hatten Tausende Menschen bei der Beisetzung des Chefs des Polizei-Geheimdienstes, Wissam al-Hassan, im Zentrum der Hauptstadt den Rücktritt von Ministerpräsident Nadschib Mikati gefordert. Sie werfen ihm zu enge Beziehungen zum syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor. Landesweit hatten zuvor schon Zehntausende Sunniten gegen den Anschlag protestiert, bei dem neben Wissad al-Hassan sieben weitere Menschen getötet wurden.

Hassan wurde neben dem früheren Regierungschef Rafik Hariri beigesetzt. Hariri war selbst 2005 bei einem Bombenanschlag getötet worden, für den die Opposition Syrien verantwortlich machte. Nach Massenprotesten auf dem Märtyrer-Platz war Damaskus schließlich nach Jahrzehnten zum Rückzug seiner Truppen aus dem Libanon gezwungen gewesen. Auch diesmal wurden Anschuldigungen laut, Syriens sei für den Tod al-Hassans verantwortlich. Auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sah eine Verbindung zum Konflikt in Syrien.

Beobachter hatten vor einer Zuspitzung der Lage in dem multireligiösen Land gewarnt, das tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern Assads ist. Syrien hatte jahrzehntelang die Rolle einer Vormacht im Libanon gespielt. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich angesichts der jüngsten Entwicklungen in Syrien und im Libanon „sehr besorgt über die wachsende Gefahr eines Flächenbrandes in der Region“. Es müsse alles getan werden, damit der syrische Bürgerkrieg nicht auf den Libanon übergreife, erklärte ein Sprecher des Außenministers. Weiter hieß es, Westerwelle unterstütze die Reise des UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi in die Region. Brahimis Gespräche in der syrischen Hauptstadt Damaskus böten „eine wichtige Chance“. Das Regime des syrischen Machthabers Assad, aber auch die Kräfte der syrischen Opposition blieben „nachdrücklich aufgerufen, während des Opferfestes die Waffen schweigen zu lassen“. (rtr/dpa/dapd)

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