Libanon : Viele Tote bei Kämpfen in Beirut

Im Libanon hat die Hisbollah große Teile der Hauptstadt Beirut unter ihre Kontrolle gebracht, mindestens zehn Menschen starben bei den Kämpfen. Mehrere TV-Sender stellten ihre Arbeit ein; Kuwait bringt seine Staatsbürger bereits außer Landes.

Hariri
In einem verwüsteten Büro der pro-westlichen Kräfte hängt ein zerstörtes Bild des ermordeten Ministerpräsidenten Hariri. -Foto: AFP

BeirutBei nächtlichen Kämpfen in der libanesischen Hauptstadt Beirut sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Mehr als 30 Menschen wurden nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern verletzt. Die Lage in der Hauptstadt Beirut ist weiter angespannt. Bewohner flohen vor den Kämpfen in den christlichen Ostteil Beiruts. Die von der schiitischen Hisbollah geführte Opposition kontrolliert inzwischen den Großteil der Hauptstadt. Augenzeugen berichteten, es seien weiterhin Gewehrfeuer zu hören.

Die von der Hisbollah kontrollierten Viertel sind nach Angaben von Zeugen Hochburgen der anti-syrischen Mehrheit im libanesischen Parlament um den Politiker Saad Hariri. Nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP bezogen Hisbollah-Mitglieder Stellung in den westlichen Stadtteilen Sarif, Malla, Sokak el Blat, Chandak el Ghamik und Aischa Bakkar.

Hariri-Medien schließen nach Hisbollah-Drohungen

An der Beiruter Residenz von Hariri schlug am Morgen eine Rakete ein. Das Geschoss habe die Mauer um das Gebäude im Westen der Stadt getroffen, hieß es aus dem Umfeld des Politikers. Es habe keine Opfer gegeben. Angesichts der andauernden Kämpfe wurde am Freitag auch der Hafen von Beirut geschlossen. Die Gewerkschaften hätten beschlossen, wegen der gefährlichen Lage die Tätigkeit im Hafen ruhen zu lassen, sagte ein Vertreter der Hafenbehörde.

Chaos gibt es offenbar auch bei den Medien im Land. Die Fernsehsender Future TV und Future News, die Tageszeitung "El Mustakbal" und Radio Orient hätten "ihre Türen geschlossen" und seien unter die Kontrolle der Armee gestellt worden, sagte ein Vertreter der Mediengruppe. Es habe Drohungen von bewaffneten Hisbollah-Anhängern gegeben.

Die kuwaitische Botschaft in Beirut hat unterdessen rund 150 kuwaitische Staatsbürger außer Landes gebracht. Die Botschaft erklärte, die Kuwaiter seien mit Bussen nach Syrien gebracht worden. In Berlin wurde am Freitag darüber diskutiert, ob das Auswärtige Amt generell vor Reisen in den Libanon warnen soll. Evakuierungsaktionen sind bislang nach Auskunft der Botschaft nicht geplant. (jvo/dpa/AFP)

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