Libyen : Auslöser des Aufstandes

Seit über zwei Wochen befindet sich Libyen im Ausnahmezustand. Auslöser der Unruhen war eine friedliche Demonstration gegen die Verhaftung eines Anwaltes, die von den Sicherheitskräften des Machthabers Gaddafi gewaltsam beendet wurde.

Benghasi - Die Massendemonstrationen in Libyen haben am 15. Februar in der Stadt Benghasi als Proteste gegen die Festnahme des Anwaltes Fethi Terbil begonnen. Er vertritt einige jener Familien, die im Jahr 2006 bei einer Schießerei mit 1200 Toten im Gefängnis Abu Salim in der Hauptstadt Tripolis Verwandte verloren. Nach seiner Festnahme versammeln sich in Benghasi Unterstützer zu einer Sitzblockade vor einer Polizeiwache. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften von Machthaber Muammar Gaddafi, bei denen fast 40 Demonstranten verletzt werden. Ab diesem Zeitpunkt breitet sich der Aufstand über das ganze Land aus. Ursprünglich war für den 16. Februar die Freilassung von 110 islamistischen Kämpfern geplant gewesen, womit eine der Hauptforderungen der Opposition erfüllt gewesen wäre.

Sein Ziel sei Gerechtigkeit für die im Gefängnis Getöteten, sagt der 39-Jährige Terbil. Diese hätten lediglich bessere Haftbedingungen gefordert und seien deswegen getötet worden, klagt er. Seit der Übernahme der Mandate in den juristischen Verfahren um die Gefängnisschießerei ist Terbil sieben Mal festgenommen worden, zuletzt am 15. Februar. „Rund 20 schwer bewaffnete Sicherheitskräfte sind zu mir nach Hause gekommen und haben mich mitgenommen“, sagt er. Die Nachricht habe sich unter den Familien der Opfer verbreitet und zu den Protesten geführt. „Ich wurde zu Abdallah Senussi, Gaddafis persönlichem Sicherheitsverantwortlichen, gebracht“, sagt Terbil weiter. Dieser sei wegen der Proteste „sehr nervös“ gewesen. „Also habe ich vorgeschlagen, mich freizulassen, um mit den Demonstranten zu sprechen“, sagt Terbil. Dies habe Senussi jedoch abgelehnt und gesagt, die Sicherheitskräfte würden die Kundgebungen verhindern. Nach den Zusammenstößen in der Nacht sei er dann am Morgen entlassen worden, sagt Terbil. Die Ausbreitung der Proteste sei zu diesem Zeitpunkt jedoch schon nicht mehr aufzuhalten gewesen. (AFP)

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