Politik : Libyen bemüht sich um Freilassung der Shelter-Now-Helfer

Christoph Von Marschall

Libyen ist im Gespräch mit dem Taliban-Regime über eine Freilassung der in Kabul gefangen gehaltenen westlichen Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now". Saif Gaddafi, der zweite Sohn des Revolutionsführers und mutmaßliche Nachfolger, sagte dem "Tagesspiegel", die Taliban hätten Libyen bereits vor den Anschlägen vom 11. September um Vermittlung gebeten. Die Gespräche würden trotz der amerikanischen Bombenangriffe auf Afghanistan fortgesetzt. Den jüngsten Kontakt habe es vor einer Woche gegeben. Saif Gaddafi hält sich auf Einladung der Bundesregierung in Berlin auf. Er hatte bei der Freilassung der europäischen Geiseln aus der Hand muslimischer Rebellen auf der philippinischen Insel Jolo im vergangenen Jahr eine Schlüsselrolle gespielt.

Welche Gegenleistung die Taliban für die Freilassung erwarten, sagte Gaddafi nicht. Libyen finde ein offenes Ohr in Kabul, weil die internationale Gaddafi-Stiftung für Wohltätigkeit "die umfangreichste humanitäre Hilfe für das afghanische Volk" leiste. "Deshalb haben die Taliban den Revolutionsführer gebeten, bestimmte politische Anliegen zu unterstützen." Die Stiftung hatte seinerzeit die als Entwicklungshilfe bezeichneten 25 Millionen Dollar Lösegeld für die Jolo-Geiseln bezahlt.

Gaddafi warnte, die USA "sollten es vermeiden, Unschuldige anzugreifen und zu töten. Denn das ist eine Provokation für alle Moslems." Amerika habe das Recht, sich gegen einen Angriff zu verteidigen und Osama bin Laden zu verfolgen, sofern sie hundertprozentige Beweise für seine Schuld hätten. "Die haben sie bisher nicht vorgelegt." Mit einem Erfolg der Militärschläge rechnet Gaddafi indes nicht. "Bedenken Sie die Berge, den Schnee, die Kälte. Auf substanzielle Fortschritte wird man noch lange vergeblich warten. Die Truppen der Taliban sind stärker als die Nordallianz."

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