Politik : "Lis@": Für alle Lebenslagen

Carsten Germis

Die Senioren sollen der FDP helfen, zur großen Partei zu werden. "Lis@" wird die neue Liberale Senioren-Initiative heißen, die sich an diesem Wochenende in Stuttgart gründet. Mit dieser Gründung wendet sich nach den anderen Bundestagsparteien nun auch die FDP verstärkt den älteren Menschen zu. Zu einer "Partei für alle Lebensalter" möchte FDP-Generalsekretär die Liberalen mit Hilfe von "Lis@" machen, sagte er am Dienstag in Berlin. Und dass das ein modernes Konzept sein soll, dokumentiert die FDP damit, dass statt eines schnöden "A" das Zeichen für elektronische Nachrichten verwendet wird. Westerwelle begründete die Gründung des Verbandes damit, dass immerhin 46,2 Prozent der Wähler in Deutschland bereits älter als 50 Jahre sind. "Dass das jemanden beschäftigt, der sich über den Erfolg einer Partei Gedanken macht, ist doch selbstverständlich", sagte Westerwelle.

Der Generalsekretär, der noch in diesem Frühjahr als Nachfolger Wolfgang Gerhardts zum FDP-Vorsitzenden gewählt werden soll, malt sich die Liberalen aus als eine "Partei für das ganze Volk". Auch deswegen kommt wohl jetzt "Lis@". Der Anteil der Älteren in der FDP ist nach Westerwelles Angaben recht hoch. Von den knapp 65 000 Mitgliedern sind etwa 30 Prozent älter als 60 Jahre.

Allerdings verjünge sich die Partei seit einiger Zeit durch eine hohe Zahl von Neuzugängen, beeilte sich Westerwelle zu erwähnen. Von den 682 neuen Mitgliedern, die der Bundespartei in Berlin in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gemeldet wurden, sind 34 Prozent jünger als 30 Jahre und nur 9,5 Prozent älter als 60.

Mit der Gründung ihrer Liberalen Senioren-Initiative setzt die FDP einen Beschluss ihres Parteitags vom vergangenen Jahr in Nürnberg um. Der Aufruf zur Gründung, der in der parteiinternen Presse verbreitet wurde, habe überraschend große Resonanz gefunden, berichtete Westerwelle. Am Gründungskongress in Stuttgart wollen 200 Delegierte teilnehmen.

Dort wird auch ein Sprecher der "Lis@" gewählt, der wie der Vorsitzende der Jungen Liberalen in die Führungsarbeit der FDP eingebunden werden soll. Eine Altersgrenze nach unten ist für den künftigen Seniorensprecher bei den Liberalen nicht geplant. Das unterscheidet den liberalen Seniorenverband von denen der meisten anderen Parteien.

Der designierte FDP-Vorsitzende Westerwelle möchte seine Partei aber auch populärer machen. Dass das möglich ist, zeige ihm ein Blick in andere europäische Länder, wo liberale Parteien zweitstärkste oder gar stärkste Fraktionen in den Parlamenten seien. "Die Volksnähe werde ich nicht Herrn Stoiber oder Herrn Schröder überlassen", kündigte er an. Dass einige - zugegebenermaßen gegenüber der FDP besonders schlechte - Umfragen die Partei bundesweit derzeit bei gerade mal sieben Prozent sehen, ficht Westerwelle nicht an. Schließlich gibt es auch Institute, die die Liberalen fast bei zehn Prozent einordnen.

Bei seinem Bestreben, die FDP zu kräftigen, blickt Westerwelle vor allem auf die Wählerschaft der Unionsparteien. Er möchte die "FDP als Alternative empfehlen, auch und gerade zu den Unionsparteien", sagte er. "Die Union ist handlungsunfähig und zerstritten." Deswegen seien die Liberalen die einzige bürgerliche Opposition zur rot-grünen Bundesregierung, meint der FDP-Generalsekretär. Auch die SPD lasse der FDP aber wieder zunehmend Raum, da sie sich seit einiger Zeit zunehmend wieder auf ihre alte gewerkschaftsnahe Klientel ausrichte und damit die "neue Mitte" aufgebe.

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