Update

Live-Ticker zur Bundespräsidentenwahl : Im ersten Anlauf: Gauck ist Bundespräsident

Mit 991 von 1228 gültigen Stimmen ist Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden. Damit folgt er Christian Wulff im höchsten Staatsamt. Der Wahltag im Live-Ticker auf Tagesspiegel.de.

von und Marc Kalpidis
Deutschland hat ein neues Staatsoberhaupt: Mit 991 von 1228 gültigen Stimmen ist Joachim Gauck am Sonntag zum Bundespräsidenten gewählt worden. Er folgt auf den zurückgetretenen Christian Wulff.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
18.03.2012 17:38Deutschland hat ein neues Staatsoberhaupt: Mit 991 von 1228 gültigen Stimmen ist Joachim Gauck am Sonntag zum Bundespräsidenten...

Das war es. Die Wahlfrauen und -männer lassen den Tag jetzt noch bei Buletten, Kartoffelsalat, Lachs und Schokomousse ausklingen. Auch das ein oder andere Gläschen Sekt und Bier geht in der Fraktionsebene über den Tresen. Wer nun warum die rund 100 Wahlmänner im Gauck-Lager waren, die dem neuen Bundespräsidenten die Stimme versagt haben, wird noch ein wenig Gesprächsstoff zum Bier bieten. Am Ende aber dürften auch einige derer, die Gauck gewählt haben, froh sein, dass das Ergebnis für den neuen Mann im Schloss Bellevue ordentlich, aber nicht überragend war. Das hält den Pastor etwas am Boden. Wir verabschieden uns an dieser Stelle von Ihnen. Vielen Dank, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, unseren Live-Blog zur Wahl des neuen Bundespräsidenten verfolgt haben. Am Ende des Textes können Sie gerne weiter diskutieren.

++++

Mit der Annahme der Wahl ist Gauck seit 14.24 Uhr als Staatsoberhaupt offiziell im Amt. Voraussichtlich schon an diesem Montag nimmt er die Amtsgeschäfte auf. Die Vereidigung des elften Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für kommenden Freitag vorgesehen.

++++

Bei aller Freude konnte Gauck mit knapp 80 Prozent der Stimmen den Rekord bei einer Bundespräsidentenwahl nicht brechen - den hält weiter Theodor Heuss, der sich 1954 mit 85,6 Prozent der Stimmen im ersten Anlauf durchsetzte. Zu Gaucks Trost sei gesagt: Mehrere Staatsoberhäupter brauchten auch schon zwei oder drei Anläufe in der Bundesversammlung.

++++

Beim Bundespräsidialamt waren sie ganz fix: Keine Stunde nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt ist Joachim Gauck auch virtuell ins neue Amt eingezogen. Auf der offiziellen Internetseite www.bundespraesident.de war bereits am Sonntagnachmittag neben einem Porträt des 72-Jährigen zu lesen: "Joachim Gauck wurde am 18. März 2012 von der 15. Bundesversammlung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt." Auch in die Online-Übersicht der Staatsoberhäupter ist Gauck nach seinem Vorgänger Christian Wulff schon eingerückt.

++++

In seiner kurzen Dankesrede erwähnte der frischgebackene Bundespräsident Gegenkandidatin Beate Klarsfeld zwar nicht. Der Unterlegenen schien das aber nichts auszumachen: Sie gratulierte Gauck mit strahlendem Lächeln.

++++

Video
Umfrage zur Bundespräsidentenwahl
Umfrage zur Bundespräsidentenwahl

Merkel erhofft sich von Gauck nach eigenen Angaben auch Denkanstöße im politischen Alltag. Sie freue sich darauf, "Anregungen zu bekommen". Konflikte mit dem neuen Bundespräsidenten erwarte sie nicht, auch wenn sich in manchen Fragen sicherlich Meinungsunterschiede zeigen würden. Diese wolle sie im Dialog mit Gauck klären: "Es geht hier nicht um Erziehungsmethoden, sondern um Meinungsäußerungen." Zugleich wertete es die Kanzlerin als Signal, dass nun nach der Kanzlerin auch der Bundespräsident aus der ehemaligen DDR stamme. Dies zeige: "Die Ostdeutschen sind angekommen. Trotzdem bleibt bei der deutschen Einheit noch einiges zu tun."

++++

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler ist offensichtlich schon jetzt mehr als zufrieden mit dem Wahlsieg Gaucks: "All' die Hoffnungen, die wir in ihn gesetzt haben, hat er mit der ersten Rede schon erfüllt." Das ging aber schnell.

++++

Gauck nahm seine Wahl zum Bundespräsidenten mit "unendlicher Dankbarkeit" auf und sprach in seiner Rede vom "Glück der Mitgestaltung" nach den "politischen Wüsten des 20. Jahrhunderts" in Deutschland.

++++

Ein Thema am Rande der Bundesversammlung war natürlich auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und die Frage, wie er sich zu den Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen verhält. Nimmt er das Rückfahrtticket nach Berlin mit in den Wahlkampf oder nicht? Viele in der Union halten es für ein großes Problem, dass er sich noch nicht klar dafür ausgesprochen hat, auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu gehen. Viel Zeit für diese Entscheidung habe er nicht mehr, heißt es immer wieder. Röttgen selbst hält sich zurück, von ihm ist heute nicht viel zu sehen. Ist auch klar warum, er postet lieber einen Auszug aus seinem Interview, das er der "Bild am Sonntag gegeben hat", auf seiner Facebookseite.

++++

Die Piratendelegierten Delius und Dathe begründeten ihre Stimmenthaltung im Gespräch mit dem Tagesspiegel übrigens so: "Entscheidend für uns ist Gaucks Haltung zu den neuen Informationstechnologien. Er sieht das Internet vor allem als Risiko, wir sehen es als Chance", sagte Delius. Am liebsten hätten beide mit Nein gestimmt. Insgesamt habe er die Bundesversammlung als "eher unspannend" empfunden, aber: "Es ist schön dabei zu sein."

++++

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßt die Wahl Gaucks zum neuen Bundespräsidenten: "Joachim Gauck wird unser Land mit der Würde repräsentieren, die wir uns als Bürgerinnen und Bürger von unserem Staatsoberhaupt erhoffen", sagte Wowereit nach der Verkündung des Ergebnisses.

++++

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt die Wahl Gaucks, obwohl er nicht als ihr Wunschkandidat galt: "Ich freue mich dennoch, und es ist ein überzeugendes Ergebnis." Er sei "ein Präsident, der die Belange der Bürger im Auge hat, aber auch die Politiker (...) schätzt". Dass es auch kritische Stimmen zu Gauck gegeben habe, gehöre zu einer Demokratie, sagte Merkel. Aber er sei sicherlich "Manns genug", sich damit auseinanderzusetzen.

++++

In seiner Rede versprach Gauck, sich auf "neue Themen, Probleme und Personen" einzulassen. Er werde nicht alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen, "aber ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herz 'Ja' sagen zur Verantwortung, die sie mir heute übertragen haben". Gauck erinnerte noch einmal an den 18. März vor 22 Jahren, als in der DDR die ersten freien Volkskammerwahlen stattfanden. "Zum ersten Mal in meinem Leben, im Alter von 50 Jahren, durfte ich in freier, geheimer Wahl bestimmen, wer regieren sollte."

Umbauarbeiten im Bundestag
Am Sonntag ist es so weit: Im Plenarsaal des Bundestages wählt die Bundesversammlung den neuen Bundespräsidenten.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: dpa
13.03.2012 12:10Am Sonntag ist es so weit: Im Plenarsaal des Bundestages wählt die Bundesversammlung den neuen Bundespräsidenten.

++++

Trotz der breiten Mehrheit versagten Gauck übrigens mindestens 103 Delegierte aus dem eigenen Lager die Stimme. Die Fünf-Parteien-Koalition aus CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen hatte insgesamt 1100 Mandate in der Bundesversammlung. Wegen sechs Krankheitsfällen waren es faktisch aber nur 1094 Delegierte. Außerdem hatten die zehn Wahlleute der Freien Wähler Gauck ihre Unterstützung zugesagt.

++++

Die Wahlleute singen gemeinsam die deutsche Nationalhymne, anschließend erklärt Bundestagspräsident Norbert Lammert die Bundesversammlung für geschlossen. Gleich folgen Auszüge aus der Antrittsrede von Joachim Gauck.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

62 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben