Politik : Londons Angst vor weiteren Anschlägen

Matthias Thibaut

London - Zum Jahrestag der Londoner Terroranschläge vom 7. Juli 2005 hat Scotland Yard höchste Alarmbereitschaft angeordnet. Tausende zusätzliche Polizisten werden morgen in London im Einsatz sein. Presseberichten zufolge hat der Abwehrdienst MI 5 das Geheimdienstkomitee des Unterhauses eigens über die Möglichkeit einer Attacke zum Jahrestag der Anschläge informiert. Dabei sei ausdrücklich auf die Gefahr eines Giftgasangriffs hingewiesen worden. London begeht den Jahrestag am Freitag mit zwei Schweigeminuten, Gebetsgottesdiensten und Gedenkfeiern. An den Orten, an denen vier Selbstmordattentäter bei vier Anschlägen 52 unschuldige Menschen in den Tod rissen, werden Gedenktafeln enthüllt. Überlebende des Anschlags führen gesonderte Feiern durch. Ein Jahr nach den Anschlägen wird auch gefragt, ob die Londoner sicherer sind und ob sich die Beziehungen zur muslimischen Bevölkerung verbessert haben.

Der Chef der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard, Peter Clarke, zeichnete auf einer Pressekonferenz ein düsteres Bild der Lage. Seit „7/7“ seien vier Terroranschläge vereitelt worden, bei einem davon sei Giftgas im Spiel gewesen. Derzeit seien seine Beamten mit 70 verschiedenen Untersuchungen befasst, eine in dieser Höhe beispiellose Zahl. Mehr zu potenzieller Gewaltanwendung bereite Personen denn je müssten im Auge behalten werden. Ihre Zahl sei von 800 vor einem Jahr auf rund 1200 angestiegen. Trotz einer rapiden Expansion operieren die Abwehrdienste „an der Grenze der Kapazitäten“. Al Qaida versuchte offenbar, die Rekrutierungskampagne von MI5 zur Infiltration des Geheimdienstes zu nutzen. Bis 2008 soll der Inlandsgeheimdienst von seinem ursprünglichen Personalstand von 1500 auf 3500 Mitarbeiter ausgeweitet werden.

Aufsehen erregte eine Umfrage der „Times“, der zufolge 13 Prozent der 1,8 Millionen britischen Muslime die vier Selbstmordattentäter als „Märtyrer“ betrachten. Die größte je unter den 1,8 Millionen britischen Muslimen durchgeführte Meinungsumfrage zeichnet das Bild einer kleinen, aber signifikanten Minderheit, die sich „im Krieg mit der restlichen Gemeinschaft wähnt“, wie der Vorsitzende der britischen Rassengleichheitskommission, Trevor Phillips kommentierte.

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