Politik : Lothar Bisky gibt sich amtsmüde

Der PDS-Chef soll vereinigte Linkspartei ab 2007 gemeinsam mit Lafontaine führen – doch er sträubt sich

Matthias Meisner

Berlin - Die Wahl in Berlin ist gerade gelaufen, Lothar Bisky steht vor dem Karl-Liebknecht-Haus, seiner Parteizentrale, kurze Verschnaufpause. „Es ist ein fürchterliches Leben“, stöhnt der PDS-Chef und ulkt auf Kosten seiner Berliner Genossen. „Hätten sie nur zehn Prozent weniger bekommen, hätte ich sagen können: Tschüss, Genossen! Na ja.“

Das war am Montag vor zwei Wochen – und klang wie ein Scherz. Mehr und mehr aber schwant Biskys Parteifreunden, dass ihr Vorsitzender tatsächlich das Interesse am Amt verliert. Vor allem: dass seine Lust, von 2007 an gemeinsam mit Oskar Lafontaine die dann vereinigte Linkspartei zu führen, alles andere als ausgeprägt ist. Das hat weniger mit Lafontaine zu tun. Müde gemacht hat ihn vieles andere – der ewige Sitzungsmarathon, Gerangel mit der WASG um die neue Partei, Krise nach verlorenen Wahlen, Ärger mit streitenden Kadern. Dazu kommt, so haben es Parteifreunde beobachtet, eine „gewisse ostdeutsche Form der Bescheidenheit“. Bisky wolle, so hoffen seine Anhänger, überredet werden – und werde sich 2007, im „historischen Moment“ der Parteigründung, nicht verschließen.

Denn geht es nach dem Willen von Gregor Gysi und auch von Lafontaine, soll die neue Partei zunächst von einer Doppelspitze geführt werden. Lafontaine als Zugpferd im Westen gilt als gesetzt, Bisky soll den Ostpart spielen. Den Nachwuchskadern seiner Partei riet Gysi, der die Bundestagsfraktion zusammen mit Lafontaine führt, dieses Personaltableau für eine mehrjährige Übergangszeit zu akzeptieren. Gegenkandidaturen würden die Betroffenen „bitter bereuen“.

Doch womöglich wurde diese Rechnung ohne den – mit einer dreijährigen Unterbrechung – seit 1993 amtierenden PDS-Chef gemacht. Befragt vom Tagesspiegel am Sonntag, erklärt Bisky: „Wenn jemand sagt, ich mach’s ab morgen, sage ich danke.“ Gespräche über den Parteivorsitz lehne er ab, „es sei denn, es sagt mir jemand, wir können einen Wechsel haben“. Dass sein Vertrauter Klaus Ernst, der Chef der WASG, sich demnächst aus dieser Funktion zurückziehen will, scheint Bisky bestärkt zu haben.

In der Partei wird bereits heftig über mögliche Bisky-Nachfolger diskutiert – genannt werden etwa Petra Pau, Dagmar Enkelmann, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow. Andere hoffen, Bisky noch überzeugen zu können, schlagen für diesen Fall aber vor, die Machtfülle von Lafontaine zu begrenzen. Sie wünschen nach dessen Wahl zum Parteichef eine Fraktionschefin – und nicht nur Männer an der Spitze. Bisky hingegen gibt sich gelassen. Dass so viele nach vorn drängen, sei, sagt er, nur „ein Stück Normalität“.

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