Machtwechsel : Sie sollen künftig Polen regieren

Donald Tusk besetzt sein Kabinett mit alten Gefolgsleuten aus der Gewerkschaftszeit. Die Koalitionsverhandlungen mit der Bauernpartei gestalten sich reibungslos.

Knut Krohn[Warschau]
Tusk
Lächelnder Wahlsieger: Donald Tusk. -Foto: AFP

Kaum eine Woche nach der Wahl in Polen will Donald Tusk, Chef der liberal-konservativen Bürgerplattform, an diesem Dienstag seine Regierung präsentieren. Wichtige Ministerposten besetzt er mit alten Gefolgsleuten, von denen er viele noch aus seiner Zeit bei der Gewerkschaft Solidarnosc kennt. Die Koalitionsverhandlungen mit der Bauernpartei PSL gestalteten reibungslos, da die PSL und die Bürgerplattform in wesentlichen Programmpunkten übereinstimmen. Ziel der neuen Regierung ist vor allem, die unter Noch-Premier Jaroslaw Kaczynski liegen gebliebenen Wirtschaftsreformen voran zu treiben. Auch soll das Verhältnis zur EU soll verbessert werden.

Donald Franciszek Tusk wird nächster Premier Polens. Geboren wurde der zweifache Familienvater am 22. April 1957 in Danzig. Dort gründete er während des Studiums der Geschichte in den 80er Jahren das Studententische Komitee der Gewerkschaft Solidarnosc. Tusk galt nach dem Ende des Kommunismus als liberaler Führer in Polen. In den 90ern war er Mitglied des Senats und gründete 2001 die liberal-konservative Bürgerplattform. 2005 verlor er die Präsidentenwahl gegen Lech Kaczynski.

Waldemar Pawlak soll der künftige Vizepremier und wohl auch Wirtschaftsminister werden. Geboren wurde Pawlak am 5. September 1959 in Model. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes trat er in die liberal-konservative Bauernpartei PSL ein. 1993 bis 1995 war er Premier in einer Koalition mit den Ex-Kommunisten. Da dem damaligen Präsidenten Lech Walesa seine Reformen aber nicht weit genug gingen, wurde er aus dem Amt gedrängt. Er blieb PSL-Abgeordneter und ist seit 2005 deren Vorsitzender. Er tritt ein für eine Liberalisierung der Wirtschaft, vor allem zum Wohle der kleineren Unternehmen.

Radoslaw Sikorski ist Kandidat für die Leitung des Außenministeriums. Geboren wurde er am 23. Februar 1963 in Bydgoszcz. Dort leitete er auf dem Gymnasium ein Soldarnosc-Streikkomitee. Er studierte Philosophie und Politik in Oxford. Danach ging er als Auslandkorrespondent für den Observer nach Afghanistan, Angola und Jugoslawien. In den 90ern war er Polen-Berater von Rupert Murdoch, danach unter zwei Regierungen Vizeaußenminister. 2005 wurde er in den Senat gewählt und zum parteilosen Verteidigungsminister ernannt, überwarf sich aber mit Jaroslaw Kaczynski.

Bronsilaw Maria Karol Komorowski ist Kandidat für den Posten des Sejm-Marschalls (Parlamentspräsident). Geboren wurde er am 4. Juni 1952 in Oborniki Slaskie. 1971 wurde er wegen seiner Aktivitäten in der Opposition für einige Zeit inhaftiert. Nach dem Studium der Geschichte schloss Komorowski sich 1980 der Gewerkschaft Solidarität an und arbeitete als Lehrer. Nach dem Ende des Kommunismus wird er in den Sejm gewählt und arbeitet über Verteidigungsfragen. 2000 bis 2001 wird der fünffache Vater Verteidigungsminister, 2005 wird er Vize-Marschall des Sejm.

Grzegorz Schetyna gilt als Favorit für das Amt des Innenministers. Geboren wurde er am 18. Februar 1963 in Opole. In den 80er Jahren engagierte er sich während des Studiums in Breslau im antikommunistischen Widerstand und organisierte den Streik der Studenten. Nach dem Fall der Mauer war er Vertreter der Studenten am „Runden Tisch“, wo der Übergang vom Kommunismus in die Marktwirtschaft ausgehandelt wurde. Seit 1997 ist er Abgeordneter im Sejm. 2001 trat er der neu gegründeten Bürgerplattform bei und wurde deren Generalsekretär.

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