Politik : Madrid: Terroristen sprengen ihr Haus

Chefplaner der Bahnanschläge stirbt durch eigene Bombe bei Polizeirazzia /Minister: Sie wollten weiter morden

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Madrid (dpa/ze). Knapp vier Wochen nach den Anschlägen des 11. März mit 191 Toten in Madrid ist das Blutbad weitgehend aufgeklärt. Der als Drahtzieher geltende Tunesier Serhane Ben Abdelmajid Fakhet (35) und drei weitere gesuchte islamistische Terroristen hätten sich nach dem Vorbild von Selbstmordattentätern bei einer Razzia selbst in die Luft gesprengt, um ihrer Festnahme zu entgehen, teilte Spaniens Innenminister Angel Acebes am Sonntag mit. Die Haupttäter seien entweder ums Leben gekommen, festgenommen oder zumindest identifiziert worden, sagte Acebes. Mindestens zwei Verdächtige hätten aber entkommen können.

Der jahrelang in Madrid lebende Abdelmajid alias „Der Tunesier“ galt als Chefideologe und Anführer der Terrorzelle des 11. März. Unter den Toten sei auch der ebenfalls gesuchte Marokkaner Agdennabi Koundschaa, sagte Acebes. Ein dritter Toter sei als Rifaat Anouar identifiziert worden, der vierte sei den Fahndern bislang unbekannt. Einer von ihnen trug einen Sprengstoffgürtel.

Die Terroristen hatten sich am Samstagabend in ihrer Wohnung im südlich von Madrid gelegenen Vorort Leganés verschanzt. Als sich die Beamten dem Wohnhaus näherten, schossen die Terroristen aus dem Fenster und drohten unter arabischen Korangesängen und dem Schrei „Gott ist groß“, sich in die Luft zu sprengen. Bei der Erstürmung durch eine Spezialeinheit zündeten sie rund zwölf Kilogramm Sprengstoff und rissen einen 41 Jahre alten Beamten mit in den Tod. Ein abgefangener Handy-Anruf hatte die Ermittler auf die Spur der Männer gebracht.

Die Verdächtigen hatten nach den Worten von Acebes bereits weitere Anschläge geplant. In der Wohnung seien einsatzbereite Bomben mit rund zehn Kilogramm Dynamit, ein Sprengstoffgürtel und 200 Zünder entdeckt worden. „Sie wollten weiter morden“, sagte der Minister.

Der Plastiksprengstoff des Typs Goma-2 ist der gleiche, der auch bei den Anschlägen mit 191 Toten und fast 1500 Verletzten auf vier Pendlerzüge am 11. März und bei dem vereitelten Attentat auf die Bahnstrecke Madrid – Sevilla am Freitag eingesetzt worden war. Die Ermittler sind deshalb überzeugt, dass ein und dieselbe islamistische Terrorgruppe dahinter steckte. Diese soll zum Netzwerk Al Qaida gehören. „Wir können von einem brillanten Fahndungserfolg sprechen“, erklärte Acebes. Stunden nach der Razzia entdeckte die Polizei am Sonntag in Leganés einen weiteren Sprengsatz. Er befand sich an einem der Leichenteile. Hunderte Menschen mussten erneut aus ihren Wohnungen in Sicherheit gebracht werden. Zudem stießen die Fahnder in der Tiefgarage des Gebäudes der mutmaßlichen Terroristen auf ein Fahrzeug, in dem ebenfalls Sprengstoff vermutet wurde.

Unterdessen gelang der französischen Polizei in Südfrankreich am Wochenende ein weiterer Erfolg bei Ermittlungen gegen die baskische Terrororganisation Eta, nachdem zuvor bereits Félix Alberto López de Lacalle, die „Nummer zwei“ der Organisation, festgenommen worden war: Die Beamten stellten in zwei Waffenlagern einsatzbereite Haftbomben, Dutzende Zünder und Waffen sicher und entdeckten eine Werkstatt zur Herstellung von Bomben, Raketen und Raketenwerfern.

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