Politik : Männer werden Frauen gleichgestellt

Rainer Woratschka

Berlin - Für Männer wird es in der privaten Krankenversicherung zum Jahreswechsel spürbar teurer, Frauen hingegen können mit günstigeren Tarifen rechnen. Der Grund ist die Umsetzung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Es verpflichtet die Privatversicherer ausdrücklich, die Kosten für Schwangerschaft und Entbindung innerhalb eines Tarifs künftig gleichmäßig auf Männer und Frauen zu verteilen

Im Schnitt werde die Prämienerhöhung für Männer etwa drei Prozent betragen, hieß es am Freitag beim Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). Dies gelte zwingend für alle Neuverträge ab dem 22. Dezember. Bestehende Verträge sollen zum Jahreswechsel umgestellt werden. Allerdings könne es in den einzelnen Tarifen zu „deutlichen Abweichungen“ nach oben oder unten kommen, sagte PKV-Sprecherin Ulrike Pott. Zwei Faktoren spielten für Prämienerhöhungen oder -senkungen aufgrund des Gleichbehandlungsgesetzes eine Rolle: zum einen die tatsächlich anfallenden Kosten für Schwangerschaftsleistungen, zum andern das jeweilige Verhältnis von Männern und Frauen. In stark männerlastigen Beamtentarifen wird die Tarifsteigerung für männliche Versicherte also geringer ausfallen als in Tarifen mit ausgeglichenem Geschlechterverhältnis und vielen jüngeren Versicherten.

„Kosten im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Mutterschaft dürfen auf keinen Fall zu unterschiedlichen Prämien oder Leistungen führen“, heißt es in Paragraf 22 des im Jahr 2006 verabschiedeten Gesetzes. Diese Vorgabe bedeute eine klare Schwächung des für Privatkassen geltenden Äquivalenzprinzips, wonach den Kostenverursachern auch höhere Kosten aufgebürdet werden, sagte PKV-Sprecherin Pott dem Tagesspiegel. „Genau dies hat der Gesetzgeber aber offenbar gewollt.“ Dennoch werde man weiterhin geschlechterabhängig kalkulieren. Frauen, die wegen ihrer höheren Lebenserwartung mehr Leistungen in Anspruch nehmen, müssen auch künftig höhere Prämien bezahlen als Männer. Allerdings ist der Prämienunterschied dann – wegen des herausgenommenen Kostenrisikos für Schwangerschaft und Entbindung – nicht mehr so hoch wie bisher. Rainer Woratschka

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