Mali : Drogen, Waffen, Menschenschmuggel

Der malische Präsident warnt vor einer Destabilisierung in Westafrika.

Dagmar Dehmer
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Berlin - Amadou Toumani Toure sieht Mali als Opfer von Drogenhändlern, die Westafrika immer öfter als Ausgangspunkt für Kokain- aber auch Heroin lieferungen nach Europa nutzen. Der Präsident des westafrikanischen Landes sieht deshalb im erst vor einem Monat neu aufgeflammten Konflikt mit Tuareg-Kämpfern im Norden des Landes keine politische Auseinandersetzung mehr. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bezeichnete Toure eine Tuareg-Grup pe, die sich 2007 geweigert hat, einem neuen Friedensabkommen zwischen seiner Regierung und den Tuareg zuzustimmen, als „Terroristen“, die sich mit Waffenhandel, Menschenschmuggel und Drogenhandel finanzierten. Die Gruppierung bewege sich in den gleichen schwer kontrollierbaren Gebieten zwischen Mali, Niger, Algerien und Mauretanien wie islamistische Fundamentalisten, wie etwa die Salafisten. Es gebe auch Kontakte zu Al Qaida, sagt der Präsident.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Toure Unterstützung beim Kampf gegen den Drogenhandel und den Menschenschmuggel zu. Künftig soll Mali Hilfe bei der Ausbildung von Sicherheitskräften sowie technische Hilfe bekommen. Deutschland will von 2009 bis 2011 jedes Jahr 35 Millionen Euro Entwicklungshilfe an Mali überweisen, bis 2008 waren es 26 Millionen Euro. Eingesetzt werden die Mittel vor allem, um die Trinkwasserprobleme im Land zu mildern, die Wüstenbildung aufzuhalten und die Verwaltung des Landes zu dezentralisieren.

Letzteres ist ein wichtiger Punkt in den mittlerweile zahlreichen Friedensabkommen zwischen der malischen Regierung und den Tuareg. Denn die Tuareg-Aufstände der vergangenen 20 Jahre richteten sich meistens gegen die Marginalisierung des Hirtenvolkes in der Wüste. Toure berichtet, wie er schon Anfang der 90er Jahre erstmals ein Friedensabkommen mit den Tuareg verhandelt hat. Damals hatte der heutige Präsident, der 2007 mit einer überwältigenden Mehrheit ein zweites Mal ins Amt gewählt worden ist, eine lange Militärdiktatur durch einen Putsch beendet. Toure trat 1992 ab, und seit dieser ersten Wahl gilt Mali als eines der wenigen stabilen demokratischen Länder Westafrikas. Toure erkannte jedenfalls schon damals, dass die Tuareg durchaus berechtigte Anliegen hatten. Am Freitag sagte er: „Wir haben dieses Abkommen nur unvollständig umgesetzt. Deshalb haben wir 2007 einen neuen Friedenspakt geschlossen.“ Diesmal werde er auch umgesetzt, versichert Toure. Ihm ist es wichtig, „dass in Deutschland verstanden wird, dass es keinen neuen Tuareg-Aufstand gibt“. Es gehe jetzt darum, kriminelle Gruppen zu bekämpfen.

Das Problem mit dem Drogenhandel über Westafrika ist relativ neu. Doch im vergangenen November hat das UN-Drogenbüro einen Bericht darüber vorgelegt, in dem es heißt, dass sich Drogenkartelle die „Straflosigkeit“ in den westafrikanischen Staaten zunutze machten. Zudem könnten sie auf gut in Europa integrierte westafrikanische Einwanderer als Händler zurückgreifen. Es bestehe die Gefahr, dass die westafrikanischen Staaten destabilisiert würden. „Die Profite aus dem Drogenhandel übersteigen die Sicherheitsbudgets ganzer Staaten in Westafrika“, heißt es in dem Bericht.

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