Politik : „Man kann Ignoranz auch als Toleranz verkaufen“

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Herr Tayfun, die Einladungsliste zur Islamkonferenz wird kritisiert. Zu Recht?

Zur Islamkonferenz sind zum Teil die gleichen Personengruppen eingeladen wie zum Integrationsgipfel. Das bestätigt meinen Eindruck: Es gibt so etwas wie Berufstürken in Deutschland, die sich stets für zuständig erklären für das, was die Türkei betrifft, und die das Bild bestimmen.

Den Begriff müssen Sie uns erklären.

Ich kenne das natürlich vor allem aus meinem Beruf als Künstler. Es gibt Musiker, Maler, Filmemacher, deren ganzes Schaffen sich immer um angebliche oder tatsächliche Probleme der Türken dreht.

Ein Beispiel?

Ich nenne Ihnen keins, denn die Namen sind austauschbar. Sie sind auch nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist die linksliberale Öffentlichkeit, die dieses Phänomen erst geschaffen hat, und der Türkenbonus, mit dem sie schablonenhafte Bilder der fremden Kultur belohnt.

Warum?

Schablonen kosten nichts. Man muss sich nicht anstrengen, die fremde Kultur wirklich zu verstehen. Außerdem kann man diese Ignoranz auch noch als Toleranz verkaufen. Es ist einfach zu sagen: Türken sind eine Bereicherung für uns, und sich im Übrigen um nichts zu kümmern. Wir sind an einem Wendepunkt. Beide Schablonen, die der Stammtische und die linksliberalen, haben ausgedient. tib

Tayfun ist Komponist und Pianist aus Istanbul und lebt seit 1982 in Berlin. Zuletzt erschien seine CD „Dreams and dances of a silent butterfly“.

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