Managergehälter : Ungewohnter Rückhalt vom Betriebsrat

Die Diskussion über die Höhe der Managergehälter verläuft quer durch alle Lager: Während die CDU an die Moral der Unternehmer appelliert, erhalten die Manager ungewohnte Unterstützung von Seiten des BASF-Betriebsrat.

In der Diskussion um die Höhe von Vorstandsgehältern appellieren Gewerkschaften und Politik an die Eigenverantwortung der Manager. DGB-Chef Michael Sommer riet den Unternehmen, künftig sensibler mit diesem Thema umzugehen und Saarlands Ministerpräsident Peter Müller forderte die Wirtschaft auf, Instrumente zur Selbstkontrolle zu entwickeln. Ungewöhnliche Schützenhilfe erhielten die Manager dagegen vom Betriebsratsvorsitzenden der BASF AG, Robert Oswald. Er warnte vor einer Neiddiskussion.

Gemessen an Managern in manchen Bundesligavereinen seien die Managergehälter im Konzern moderat. "Ein Uli Hoeneß hat einfach weniger Verantwortung als der Manager eines internationalen Konzerns", sagte Oswald mit Blick auf den Manager des FC Bayern München. Die Vergütung müsse nicht nur die Verantwortung berücksichtigen, sondern auch das Risiko, die Stellung zu verlieren. "Jedenfalls kann ein Weltkonzern keine niedrigen Gehälter zahlen, denn sonst bekommt er nicht die besten Leute", sagte er. Wer Managergehälter kritisiere, solle erst einmal nachweisen, dass er die Arbeit besser machen könne.

Eigenverantwortung der Wirtschaft

DGB-Chef Sommer forderte von der Wirtschaft hingegen einen Verzicht auf überhöhte Managergehälter. Sonst werde sich die Frage der sozialen Gerechtigkeit mit neuer Schärfe stellen. Der DGB-Chef warnte: "Das kann den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und unserer Betriebe gefährden." Zur sozialen Gerechtigkeit gehöre an erster Stelle eine gerechte Bezahlung für alle. Sommer verwies darauf, dass die Arbeitnehmer in den vergangenen 15 Jahren ihre Reallöhne kaum verbessert hätten. Dagegen hätten viele Vorstände enorme Zuwächse verzeichnen können.

Ministerpräsident Müller appellierte ebenso wie schon gestern Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Eigenverantwortung der Wirtschaft. Notwendig seien wirtschaftsethisch begründete Richtlinien, die auf den Vorschlägen der Cromme-Kommission aufbauen müsste. Das einst von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Gremium hatte vorgeschlagen, die Managergehälter offen zu legen. Müller ergänzte, es stelle sich bei den Abfindungen auch die Frage, inwieweit die Solidargemeinschaft in Anspruch genommen werden dürfe. Dies sei dann der Fall, wenn Unternehmen Abfindungen als Betriebsausgaben steuerlich gelten machen können, mit der Folge, dass sie weniger Steuer zahlten. Hier sei es möglich, ein "gesetzgeberisches Signal" zu setzen.

Manager, Showstars, Sportler

Skeptisch äußerte sich Müller dagegen zu der Vorstellung, auch die Gehälter von Managern gesetzlich zu regeln. Deren Festlegung sei Aufgabe der Unternehmen. Allerdings sei die Frage zu stellen, ob in Aktiengesellschaften der Aufsichtsrat dazu der richtige Ort sei, oder ob dies nicht besser die Mitgliederversammlung tun sollte. Überhöhte Abfindungen bei wirtschaftlichem Scheitern oder massive Erhöhung der Managergehälter bei gleichzeitigem Personalabbau passten nicht zusammen.

Bayerns Ministerpräsident Beckstein verteidigte hingegen die Managergehälter: "Ich gönne den Managern ihre hohen Einkommen, ebenso wie Sportlern und Showstars." Allerdings bekomme ein Manager sein Einkommen in aller Regel deshalb, weil auch seine Mitarbeiter gute Arbeit leisteten. "Wenn Managerverdienste steigen, während den Mitarbeitern die Löhne gekürzt werden oder sie sogar entlassen werden, dann verstehe ich den Unmut", sagte Beckstein. Soziale Marktwirtschaft bedeute durchaus, dass man die Gehälter einer ethischen Diskussion unterziehen kann. (ddp)

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