Politik : Massaker in Homs

Syrisches Regime und Opposition beschuldigen sich gegenseitig / Grenze zur Türkei wird vermint / UN-Sicherheitsrat berät.

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Bei einem Massaker in der syrischen Millionenstadt Homs sind nach übereinstimmenden Angaben von Regierung und Opposition Dutzende Menschen getötet worden. Darunter waren nach Darstellung von Menschenrechtsgruppen mindestens 45 Frauen und Kinder, die erstochen und anschließend verbrannt wurden. Regierung und Opposition schoben einander die Schuld an dem Verbrechen zu. Die Tat wurde kurz vor neuen Beratungen des UN-Sicherheitsrats über die Lage in der arabischen Welt am Montag bekannt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drängte den Sicherheitsrat, die Gewalt in Syrien zu beenden. „Die internationale Gemeinschaft muss die Gewalt stoppen“, sagte Ban am Montag vor Außenministern der 15 Mitgliedsstaaten. „Die Syrer zahlen gerade einen furchtbaren Preis, obwohl sie nur ihr Recht wollen.“ Die Gewalt gegen Zivilisten sei eine Schande. Präsident Assad müsse den Friedensplan der Arabischen Liga „in den nächsten Tagen“ umsetzen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) dringt weiter auf eine Resolution gegen Syrien und hofft, dass Russland, das bereits dreimal mit seinem Veto eine Resolution verhinderte, „nicht dauerhaft auf der falschen Seite der Geschichte“ stehen wolle.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana machte eine Terrorgruppe für das Massaker in Homs verantwortlich. Diese habe Dutzende Bewohner der Oppositionshochburg entführt und getötet, die Leichen verstümmelt und dann für Zwecke der Zurschaustellung gefilmt. Auf Youtube waren Bilder toter Männer, Frauen und Kinder in Blutlachen zu sehen. Die Regierungsgegner machten dagegen die Präsident Baschar al Assad ergebene alawitische Schabiha-Miliz verantwortlich. Die aus Deserteuren bestehende Freie Syrische Armee habe geholfen, die Leichen zentral zu sammeln, weil die Regierung sonst Beweismittel vernichtet hätte. Weitere 24 Zivilisten sollen nach Angaben der Opposition in der Nacht zum Montag getötet worden sein, als sie versuchten, die Stadt Idlib zu verlassen. Von unabhängiger Seite sind derartige Berichte nur schwer zu überprüfen, weil Syrien keine freie Berichterstattung der Presse erlaubt.

Während die Gewalt anhält, versucht das syrische Regime offenbar mit allen Mitteln, Menschen von der Flucht in die Türkei abzuhalten. In Regierungskreisen in Ankara hieß es, türkische Grenzposten hätten beobachtet, wie syrische Truppen neue Minenfelder in Grenznähe angelegt hätten. Dennoch hält die Fluchtbewegung ein Jahr nach Ausbruch des Aufstandes gegen Assad an, auch immer mehr syrische Offiziere setzen sich in die Türkei ab. Nach zwei Generälen, denen vorige Woche die Flucht gelang, kam jetzt ein Oberstleutnant der Spezialeinheiten mit seiner Familie über die Grenze. Die Gefechte in Syrien verlagern sich unterdessen in die Nähe der türkischen Grenze. Am Montag war in einem türkischen Grenzdorf lauter Gefechtslärm aus Syrien zu hören.

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