Massenansturm : Spanien verstärkt Melilla-Grenze

Die Madrider Regierung hat eine stärkere Absicherung der Grenze an der Nordafrika-Exklave Melilla angeordnet. In der Nacht zum Mittwoch hatten etwa 1000 Afrikaner versucht, von Marokko aus auf spanisches Gebiet zu stürmen.

Melilla (28.09.2005, 16:29 Uhr) - Etwa 200 von ihnen gelang es, den doppelten Grenzzaun an der Exklave zu überwinden. 45 von ihnen wurden verletzt.

Das Madrider Innenministerium kommandierte zur Verstärkung der Grenzpolizei eine Sondereingreiftruppe von 40 Beamten nach Melilla ab. Entlang der zehn Kilometer langen Grenze sollen die Sperrzäune von drei auf sechs Meter erhöht werden. Die Arbeiten seien bis Februar 2006 abgeschlossen, teilte Staatssekretär Antonio Camacho mit. Die Polizeigewerkschaft verurteilte die Maßnahmen als völlig unzureichend.

Die Afrikaner hatten für das Eindringen nach Melilla eine Stelle gewählt, an der die Zäune noch nicht erhöht wurden. Am Vortag waren bei einer ähnlichen Aktion bereits etwa 100 «Illegale» in die Exklave gelangt. Infolge des Zustroms war das Aufnahmelager der Stadt völlig überfüllt. Zur Unterbringung der Ankömmlinge stellte die spanische Armee zehn Zelte auf. Die Afrikaner können in der Regel von Spanien nicht abgeschoben werden, weil die Heimatländer ihre Aufnahme verweigern.

Beobachter vermuteten, dass die Erhöhung der Grenzzäune den jüngsten Zustrom ausgelöst haben könnte. Viele Afrikaner wollten möglicherweise die «letzte Chance» nutzen, nach Melilla zu gelangen. In Marokko halten sich nach Schätzungen des Innenministeriums in Rabat etwa 20.000 Menschen aus Ländern südlich der Sahara auf, die nach Spanien gelangen wollen.

Konservative Politiker in Spanien warfen der marokkanischen Regierung vor, nichts zu unternehmen, um den Zustrom zu stoppen. Dagegen betonte Rabat, dass Marokko allein überfordert sei. Marokko plädierte dafür, dass die Europäische Union sich stärker am Kampf gegen die illegale Zuwanderung beteiligen solle. Die EU solle helfen, Auffanglager zu errichten und illegale Zuwanderer in deren Heimat abzuschieben.

Außerdem könne die EU Druck auf Algerien ausüben, dem Zustrom Einhalt zu gebieten. Die «Illegalen» gelangen in der Regel durch Algerien nach Marokko. Beide Nachbarstaaten sind wegen des Westsahara-Konflikts zerstritten. Die Regierungschefs von Spanien und Marokko wollen an diesem Donnerstag auf einem Gipfeltreffen über die illegale Zuwanderung beraten. Allerdings ist Melilla in den Beziehungen zwischen Madrid und Rabat ein heikles Thema, weil Marokko Ansprüche auf die Exklaven Melilla und Ceuta erhebt.

Der italienische Außenminister Gianfranco Fini betonte nach einem Besuch in Malta, das Problem der illegalen Einwanderung über das Mittelmeer müsse von der gesamten EU angegangen werden. Ansonsten drohten «sehr ernste Folgen». Er werde das Thema auf der nächsten Sitzung der EU-Außenminister ansprechen. Auf Malta leben derzeit 1400 illegale Einwanderer in Lagern. (tso/dpa)

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