Politik : Massenprotest für Abzug aus Gaza

120 000 Menschen stützen bei einer Demonstration Scharons Pläne / Rakete auf Fatah-Büro abgefeuert

-

Tel Aviv Nach der für die israelische Armee verlustreichsten Woche seit 2002 haben am Samstag mehr als 120 000 Menschen für den von Regierungschef Ariel Scharon geplanten Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen demonstriert. Auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv forderten sie Scharon auf, mit dem Plan trotz der Ablehnung in seiner konservativen Likud-Partei fortzufahren. Der Tod von 13 israelischen Soldaten in der vergangenen Woche vergrößerte Umfragen zufolge die breite Unterstützung in der Bevölkerung für den Plan, den auch die USA billigen.

Scharon will im Gaza-Streifen alle 21 jüdischen Siedlungen aufgeben sowie vier der 120 Siedlungen im Westjordanland. An größeren Siedlungsblöcken im Westjordanland will er festhalten und diese durch eine Sperranlage schützen.

Die Gewalt im Gaza-Streifen dauerte unterdessen an: Ein israelischer Kampfhubschrauber feuerte eine Rakete auf ein Büro der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Gaza, wie palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten. Dabei habe es zwei Verletzte gegeben.

Das höchste israelische Gericht lehnte derweil einen Antrag des Palästinensischen Zentrums für Menschenrechte ab, Abrisse mehrerer Häuser an der Grenze zu Ägypten zu verbieten. Nach Angaben des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge zerstörten die israelischen Truppen in den vergangenen Tagen bereits nahezu 100 Häuser im Flüchtlingslager Rafah, mehr als 1000 Menschen wurden obdachlos.rtr/AFP/AP

Immer wieder gehen die Israelis zu Tausenden auf die Straße, um Einfluss auf den Friedensprozess im Nahen Osten zu nehmen.

2001 protestierten in Jerusalem 100 000 Menschen gegen die Initiative Bill Clintons.

1995 sangen 100 000 Menschen mit ihrem Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin in Tel Aviv das „Lied vom Frieden“. Minuten später wurde der Regierungschef vor aller Augen von einem israelischen Extremisten mit drei Schüssen getötet.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben