Politik : Massive Streiks in Frankreich

Die Großkonzerne vermelden Rekordergebnisse, aber die Arbeitsplätze werden weniger und die Kaufkraft sinkt. Frankreich hat ähnliche Probleme wie Deutschland. Dort hat heute ein landesweiter Streik das öffentliche Leben fast gänzlich lahm gelegt.

Paris (10.03.2005, 14:49 Uhr) - Verkehrsminister Gilles de Robien erklärte, die Regierung müsse «die Streikbotschaft beachten» und die Kaufkraftprobleme anerkennen.

Obwohl viele Pendler vorsorglich einen freien Tag genommen hatten, stauten sich im Großraum Paris die Autos auf 200 Kilometer Länge. Auch Flug- und Bahnverkehr waren stark behindert. Auf den Pariser Flughäfen wurde etwa ein Drittel der Flüge gestrichen. Bahnverbindungen ins Ausland blieben von dem Streik verschont. Doch jeder zweite Fernzug innerhalb des Landes und drei von vier Regionalzügen blieben in den Depots. Viele Busse fuhren dagegen nach Fahrplan.

Vielerorts fiel die Schule aus, denn landesweit beteiligten sich 40 bis 60 Prozent der Lehrer an dem Ausstand. Auch Stahlwerke, Rundfunksender, Post und Banken waren betroffen. Bei France Télécom legte jeder zweite die Arbeit nieder.

Die Gewerkschaften verlangten eine Ausschüttung der Gewinne nicht nur an die Aktionäre sowie mehr Investitionen in Frankreich. In Paris schwenkten Demonstranten auch olympische Fahnen, um der vor Ort weilenden Kommission des Olympischen Komitees ihre Unterstützung für eine Austragung der Olympischen Spiele in Paris 2012 zu zeigen.

Von allen Parteien wagte lediglich die rechtsradikale Nationale Front Kritik an der Protestbewegung. Die Regierung traue sich nicht zuzugeben, dass die Streiks mit ihren allgemeinen Forderungen illegal seien, sagte Parteichef Jean-Marie Le Pen. Die unpoluläre Regierung des konservativen Premierministers Jean-Pierre Raffarin hatte bereits in den vergangenen Monaten wiederholt Reformvorhaben nach Protesten abgemildert. So verzichtete sie bei der Arbeitszeitreform auf eine Abkehr von der gesetzlichen 35-Stunden-Woche und beschränkte sich auf Lockerungen, die in der Praxis kaum Auswirkungen haben dürften. (tso)

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