Politik : Maul- und Klauenseuche: "Blair wird wegen MKS Wahlen verschieben"

Der britische Premierminister Tony Blair will die für Anfang Mai geplanten Parlamentswahlen nach Presseangaben wegen der Maul- und Klauenseuche (MKS) auf Juni verschieben. Das berichteten die Londoner "Times" und das Boulevardblatt "Sun" in ihren Samstagsausgaben unter Berufung auf das Umfeld des Regierungschefs. Blair selbst, der von der Seuche betroffene Gebiete in Schottland besuchte, wollte sich nicht zu dem Thema äußern. Ein Sprecherin der Downing Street wies die Berichte als Spekulation zurück. Blair traf sich in Schottland mit Vertretern der Tourismusverbände und Bauern. Anschließend besuchte er ein Massengrab für Tiere nahe Lockerbie. Zu den von der EU genehmigten MKS-Impfungen sagte Blair, er habe darüber noch keine Entscheidung getroffen. Die Zahl der MKS-Fälle in Großbritannien stieg am Samstag auf 841, nachdem in 60 neuen Bauernhöfen erkrankte Tiere gefunden worden waren. Insgesamt 832 000 Tiere müssen getötet werden.

Blair sei bei seiner Entscheidung unter massiven Druck von Kabinettskollegen und Parteigenossen gekommen, berichtete der linksliberale "Guardian". Blairs Stellvertreter John Prescott gehöre zu den prominentesten Politikern, die ihn aufgefordert hätten, am 3. Mai festzuhalten. Hingegen habe der populäre Bildungsminister David Blunkett gemeinsam mit anderen Kabinettskollegen für eine demonstrative Verschiebung plädiert. In London wurde erwartet, dass Blair seine Wahl-Entscheidung am Montag bekannt gibt. Während des Wochenendes wollte er auf seinem Dienst-Landsitz Chequers nachdenken, hieß es. Nach britischem Recht kann der Premierminister jederzeit das Parlament auflösen lassen und Neuwahlen ausschreiben. Zwischen Auflösung der Parlaments und Wahlen müssen lediglich 17 Werktage liegen. Zwar ist das gegenwärtige Unterhaus noch bis Mai 2002 gewählt, doch der Wahlkampfläuft bereits jetzt - ohne dass Blair offiziell seine Wahl-Absichten bestätigt hätte. Eine Verschiebung um etwa einen Monat würde für die Labour-Partei wegen der Verlängerung des Wahlkampfes Kosten in Höhe von mehreren Millionen Pfund bedeuten.

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