Politik : Maul- und Klauenseuche: Die Deutschen kommen (nicht)

Albrecht Meier

Ist es nun "the German Angst" oder eine begründete Vorsichtsmaßnahme? Weil auch der britische Botschafter in Berlin, Sir Paul Lever, sich da nicht völlig sicher sein kann, hat er sein Schreiben an die Kultusminister der Bundesländer mit diplomatischer Zurückhaltung formuliert. Das Ganze ist "natürlich Sache der zuständigen Behörden in Deutschland", schreibt Sir Paul. Aber nachdem einzelne Bundesländer Klassenfahrten nach Großbritannien und Besuche britischer Austauschschüler in Deutschland in Frage gestellt haben, hat sich der Londoner Botschafter doch eingeschaltet: "Die britische Regierung rät nicht von Besuchen in Großbritannien ab. Die ländlichen Gebiete sind weiterhin für Tourismus geöffnet", heißt es in seinem Brief.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Der Hinweis des britischen Botschafters ändert allerdings nichts an der Sorge in Deutschland, dass Teilnehmer an Klassenfahrten die Maul- und Klauenseuche nach Deutschland einschleppen könnten. Nach der Einschätzung aus Renate Künasts Verbraucherministerium stellen zwar nicht Touristen, sondern die inzwischen eingestellten Tiertransporte die wichtigste MKS-Gefahrenquelle dar. Dennoch haben die Kultusministerien der meisten Bundesländer auf das Risiko hingewiesen, das sich mit dem Aufenthalt von Schulklassen in ländlichen Gebieten verbindet. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben Schulfahrten nach Großbritannien generell gestoppt. "Wichtig ist für uns nicht die Situation in Großbritannien, sondern die Prävention in Mecklenburg-Vorpommern", erklärte der Sprecher des Schweriner Kultusministeriums. Wenn das Verbot bis Mai in Kraft bleiben würde, könnten in Mecklenburg-Vorpommern rund 80 Klassenfahrten ausfallen. Das Reiseverbot für Schüler, so heißt es in Schwerin, stoße auf ein "Grundverständnis" in der Bevölkerung - gehört doch die Landwirtschaft zu den wichtigsten Erwerbszweigen im Norden.

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