Politik : Maul- und Klauenseuche: Illegale Einwanderer

Ulrike Fokken

Wie viele britische Schafe ungemeldet in Deutschland leben, weiß Amtstierarzt Herbert Wohn nicht. Er hat auch keine Ahnung, wo die Illegalen leben und eventuell den Erreger der Maul-und Klauen-Seuche verbreiten. Aber dass sie hier sind, weiß der Präsident des Bundesverbandes der Beamteten Tierärzte. Seit Jahren beklagt er die laschen Kontrollen der Tiertransporte in der Europäischen Union. Nachdem dort die Transporte nicht mehr kontrolliert werden, müssen Händler und Nutztier-Transporteure ihre Schafe, Schweine oder Rinder dem zuständigen Veterinäramt melden. Das jedoch tun sie nicht immer.

Schafen merke man nicht so leicht an, wenn sie von dem MKS-Virus befallen seien, sagt Wohn. Sie könnten erkrankt, aber unerkannt in einer Herde leben. Das Landwirtschaftsministerium hält das heimliche Leben von kranken britischen Schafen auf deutschen Weiden für unwahrscheinlich. Denn jeder Schafhalter werde wissen, woher seine Tiere kommen und sie bei britischer Herkunft besonders beobachten. Wohn fordert jedoch in "Zeiten erhöhter Seuchengefahr verstärkte Kontrollen aller Tiertransporte". Grundsätzlich sollten sie auf "ein vertretbares Maß" reduziert werden. Ungeachtet aller bisherigen Bemühungen seien sie nämlich "nicht tierschutzgerecht und schon gar nicht lückenlos kontrolliert". Und: "Sie bilden eine ständige Gefahr der Seuchenverschleppung und -verbreitung."

Das sieht auch Landwirtschaftsministerin Renate Künast so. Sie hat daher das Thema Tiertransporte auf die Tagesordnung der Sitzung des Agrarministerrats am Montag in Brüssel setzen lassen. Mit ihren Kollegen aus den anderen 14 EU-Staaten wird sie über das sensible Thema diskutieren, ohne danach jedoch mit einem Ergebnis nach Berlin zu fahren. EU-Entscheidungen sind langwierig. Künast kündigte jedoch an, dass die EU-Agrarminister noch in diesem Jahr die Vorschriften für Tiertransporte radikal verschärfen wollen. Gestern forderte sie bereits eine drastische Einschränkung der Tiertransporte, um Seuchen nicht zu verbreiten. Die Fahrtzeiten sollten auf maximal vier Stunden beschränkt werden.

Unterdessen bleiben die thüringischen Schweine im Stall bei Weimar bis morgen unter Quarantäne. Sie stehen im Verdacht, MKS zu haben, obwohl die drei bislang durchgeführten Tests negativ waren. Das Ergebnis eines letzten Tests kommt am Sonntag. Der Hof, auf dem bis zu 9000 Zuchtsauen und Ferkel gemästet werden, ist abgeschirmt und kann nur durch Desinfektionsduschen betreten werden. Schweine können das Virus allein durch ihre Atemluft bis zu 3000 Mal stärker verbreiten als Rinder. Aber Rindern geht es in Deutschland auch nicht besser: 170 Kühe im Saarland werden nächste Woche gekeult, weil eine ihrer Stallschwestern an BSE gestorben ist. Sie war die 48. nachweislich BSE-infizierte Kuh in Deutschland.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben