Politik : Maul- und Klauenseuche: Künast wirft Höhn Panikmache vor

Ulrike Fokken

Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) hat das Krisenmanagement in Sachen Maul- und Klauenseuche in Nordrhein-Westfalen kritisiert. Sie warf ihrer Amtskollegin Bärbel Höhn (Grüne) sogar "Panikmache" vor. Künast legte am Mittwoch eine lange Mängelliste über Versäumnisse im größten Bundesland vor. Die Behörden in Nordrhein-Westfalen hätten die Sperrzonen in den verdächtigen MKS-Gebieten "schlecht und unzureichend organisiert". Sie hätten zu lange für den Transport von Proben in das Labor in Tübingen gebraucht und sollten außerdem nicht nur Blut sondern auch Tierteile untersuchen lassen.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Künast kritisierte zudem, dass die Bauern die Untersuchungsergebnisse meist erst aus dem Radio erführen. Und schließlich sollten die Zoll- und Veterinärbehörden in Nordrhein-Westfalen aufpassen, dass die Bauern nicht weiterhin billige Ferkel in Holland einkaufen. Künast nahm den Namen Bärbel Höhn nicht ein einziges Mal in den Mund, doch ist Landwirtschaftsministerin Höhn die politisch Verantwortliche für "die Mängel in Nordrhein-Westfalen". "Ich will, dass sich das in Zukunft ändert", sagte Künast gestern. Es nütze auch nichts, täglich zu wiederholen, dass die Seuche näher rückt.

Die Tiere allerdings reihenweise zu impfen, bringe auch nichts. Sind die Schweine, Rinder und Schafe erstmal gegen einen Erreger der MKS geimpft, können sie nicht mehr von infizierten Tieren unterschieden werden. Der einzige Hersteller von MKS-Impfstoffen, die Bayer AG, hat derzeit 1,5 Millionen Impfeinheiten vorrätig. In einem Krisenfall müssten sich 14 Bundesländer diese Einheiten teilen, sagte Künast. Sie forderte ihre Länderkollegen auf, "vertragliche Klarheit" mit dem Hersteller zu treffen. "Ich bin nicht zuständig für das Impfen", wiederholte Künast gestern, das sei Sache der Länder.

Die angegriffene Bärbel Höhn dagegen sprach sich unterstützt von Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner erneut dafür aus, Tiere in einem 20 Kilometer breiten Streifen entlang der niederländischen Grenze zu impfen. "Jeder Tag, an dem wir nicht impfen, ist ein verlorener Tag." Den Vorwurf der Panikmache wies sie zurück. Selbst aus dem Hause Künast habe es schließlich wiederholt Warnungen gegeben. Für die Mängel bei der Absperrung des Hofes in Horstmar-Leer, der vorübergehend unter MKS-Verdacht stand, machte Höhn den Kreis Steinfurt Verantwortlich. Dieser habe sich bei der Absperrung und der Weitergabe der Proben nicht an die Vorgaben des Landes gehalten, kritisierte Höhn.

Bis gestern blieb Deutschland frei von MKS. Die Tests der Verdachtsfälle in Hessen blieben negativ. Das kann sich jederzeit ändern, denn die Viren sind äußerst widerstandsfähig und halten sich selbst im Heu über Monate. Da ein infiziertes Schwein zudem so viele Viren ausatmet wie 3000 Rinder, bleiben die Ansteckungsherde in der Nähe der deutschen Grenze bestehen. Zöllner, Polizisten und Veterinäre müssen daher über Monate verstärkt kontrollieren.

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