Politik : Mazedonien: Albaner-Rebellen drohen der Regierung

Die Kämpfe in Mazedonien kommen trotz internationaler Vermittlungsbemühungen der Hauptstadt Skopje immer näher. Albanische Rebellen griffen erstmals auch einen Polizeiposten bei dem Vorort Aracinovo an, wie ein Armeesprecher am Dienstag mitteilte. Die Regierungstruppen setzten ihre Angriffe gegen Rebellenstellungen im Norden fort. Die Rebellen drohten bei weiteren Angriffen eine Eskalation an. Nato-Generalsekretär Robertson rief die mazedonische Regierung zu Festigkeit und zugleich zur Zurückhaltung auf. Der EU-Sonderbeauftragte Solana setzte seine Vermittlertätigkeit fort. Der Vorsitzende der größten Albaner-Partei DPA, Xhaferi, verteidigte sein Abkommen mit den Rebellen, das einer neuen Eskalation der Kämpfe vorausgegangen war. Die Regierung verlangt, dass die mazedonisch-albanischen Politiker ihre Unterschriften darunter zurückziehen.

Die mazedonischen Truppen führten am Dienstag neue Angriffe gegen die Ortschaft Matejce. Das Militär wolle die Kontrolle über das Dorf westlich von Kumanovo bekommen, hieß es aus Armeekreisen in Skopje. Am Morgen seien etwa 800 albanische Zivilisten aus Matejce und den Dörfern Nikustak und Vistica nach Aracinovo geflüchtet, sagte Armeesprecher Oberst Blagoja Markovski am Dienstagnachmittag. Dort hatten etwa 20 bewaffnete Rebellen bei Mojanci und Orlanci einen Polizeikontrollpunkt angegriffen.

Gegen die Offensive der Regierungstruppen würden "alle Methoden" eingesetzt, sagte Rebellenkommandant "Sokoli". "Unser Kampf wird in größerem Umfang fortgesetzt. Jetzt werden wir alle Methoden nutzen. Wir sind bereit, Kumanovo und den Flughafen von Skopje anzugreifen, und wir kontrollieren die Wasserversorgung von Kumanovo", sagte "Sokoli", der Sprecher der ursprünglich seit einem Jahr verbotenen albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK).

USA bleiben auf dem Balkan

Budapest (tog). Die USA werden nicht vorzeitig Truppen aus dem Balkan abziehen. US-Außenminister Colin Powell bekräftigte bei der Frühjahrstagung des Atlantischen Bündnisses in Budapest das Engagement seines Landes, drängte aber zugleich die Nato-Partner, die gemeinsame Friedenstruppe in Bosnien zu verringern. Die Nato-Botschafter hatten in der vergangenen Woche einen Plan ausgearbeitet, der zunächst bis Jahresende den Abzug von 2000 Mann aus Bosnien vorsieht. Das US-Kontingent würde sich demnach nur um 300 Mann verringern. Derzeit sichern noch rund 21 000 SFOR-Truppen den Frieden in Bosnien. Ursprünglich hatte die Nato zur militärischen Absicherung des Friedensabkommens 60 000 Mann nach Bosnien gesandt.

Alle Außenminister der Nato seien sich einig, dass die Anwesenheit der Nato-Truppen auf dem Balkan nach wie vor notwendig sei, erklärte ein Nato-Sprecher am Dienstag in Budapest. Bei der jetzt geplanten moderaten Truppenreduzierung handle es sich lediglich um eine "Anpassung" an die Situation, die sich spürbar verbessert habe, aber dennoch immer noch labil sei. Die USA plädierten im Nato-Rat offenbar dafür, die Nato-Truppen nach und nach durch internationale Polizeieinheiten zu ersetzen.

Während Außenminister Powell davon spricht, dass die US-Truppen "gemeinsam mit ihren europäischen Alliierten nach Bosnien gekommen sind und gemeinsam mit ihnen das Land verlassen werden", fordern Bushs Sicherheitsberaterin Rice und Verteidigungsminister Rumsfeld ein stärkeres Engagement der Europäer. Dann sollten sich die USA vom Balkan zurückziehen.

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