Politik : Mazedonien: Polenz warnt Union vor übereiltem Nein zu Balkan-Einsatz

In der Auseinandersetzung um einen Bundeswehr- Einsatz in Mazedonien hat Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz seine Partei vor zu schneller Ablehnung gewarnt. Eine Entscheidung solle erst getroffen werden, wenn Ziel und Finanzierung des Einsatzes geklärt seien, sagte Polenz der "Bild"-Zeitung. CSU-Chef Edmund Stoiber bekräftigte hingegen das Nein der Union zu einem Mazedonien-Einsatz der Bundeswehr. So lange die derzeit auf dem Balkan eingesetzten deutschen Soldaten schlechter ausgerüstet seien als ihre Kollegen aus anderen Ländern, würden CDU und CSU einem neuen Auftrag nicht zustimmen, sagte Stoiber. Den Vorwurf von Außenminister Joschka Fischer (Grüne), die Union schade mit ihrer Haltung dem Ansehen Deutschlands, wies Stoiber als "Unglaublichkeit" zurück. Fischer habe sich selbst bei seinem Mazedonien-Besuch aus Angst so schützen lassen, "dass man seine Nasenspitze nicht mehr gesehen hat".

Die mazedonische Regierung und Vertreter der Albaner-Rebellen haben am Dienstag den vierten Tag in Folge über eine Friedenslösung verhandelt. Hauptstreitpunkt bei den Gesprächen war nach wie vor die mögliche Einführung von Albanisch als zweite Amtssprache. Der politische Führer der Rebellenbewegung UCK, Ali Ahmeti, äußerte sich enttäuscht über die bisherigen Verhandlungen. Vorwürfe des US-Außenministeriums, die albanischen Rebellen seien für den Bruch der Waffenruhe verantwortlich, wies Ahmeti zurück. Die Friedensgespräche in der Sommerresidenz des mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski im historischen Ohrid am gleichnamigen See im Süden des Landes waren ohne Ergebnis geblieben.

Albanischstämmige Mazedonier kehren nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) vermehrt wieder in ihre Heimat zurück. Seit Sonntag seien mehr als tausend geflüchtete Bewohner von Aracinovo nahe der Hauptstadt Skopje wieder in ihr Heimatdorf gezogen, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski. Aracinovo war zwischen mazedonischen Regierungstruppen und Albaner-Rebellen Mitte Juni schwer umkämpft und wurde dabei großenteils zerstört. Mit täglichen Besuchen betreut das UNHCR die mehrheitlich albanischen Vertriebenen.

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