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Mehr als 250.000 Unterschriften : Anti-AfD-Protestbrief erfährt rasant Zuspruch

"Wir stehen auf gegen euren Rassismus." Online-Aktivisten rufen auf zum Unterschreiben eines Offenen Briefes an die Rechtspopulisten.

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Ein bemaltes Wahlplakat der AfD.
Ein bemaltes Wahlplakat der AfD.Foto: Reuters

12,6 Prozent der Wählerstimmen in Deutschland hat die AfD bei der Bundestagswahl erhalten. Bereits kurz nach Verkündung des Wahlergebnisses hatte es spontane Proteste gegen die Partei gegeben. Im Internet verkünden viele User ihren Unmut. Die Online-Plattform Avaaz.org hat am Dienstag zur Unterschrift eines "Offenen Briefes" an die AfD aufgerufen. "Wir sind die 87 Prozent, die euch nicht gewählt haben", heißt es in dem an die "sehr geehrte AfD" adressierten Schreiben. "Wir stehen auf gegen euren Rassismus." Avaaz.org ist eine Plattform von Online-Aktivisten, die vor allem für Petitionen genutzt wird.

Am Dienstagnachmittag hatte die Petition nach Angaben von Avaaz.org bereits das Ziel von 250.000 Unterschriften überschritten. So einen "viralen Moment" habe es für Avaaz in Deutschland noch nie gegeben, sagte Daniel Boese von Avaaz dem Tagesspiegel. "Das ist für uns die am schnellsten wachsende Petition in Deutschland in der Geschichte von Avaaz, über 210.000 Unterschriften in weniger als 24 Stunden." Der Brief sei "als Welle des Widerstands gegen die AfD" zu verstehen. Weitere Online-Aktionen seien geplant, zudem eine Demonstration zum ersten Sitzungstag des Bundestags am 25. Oktober. Der Brief soll auch als Anzeige in deutschen Zeitungen veröffentlicht werden.

Initiator: Parteien sollen erkennen, dass Rechtsruck nicht nötig ist

In dem "Brief" heißt es weiter: "Das hier ist unser aller Land und ihr 'holt es euch nicht zurück'. Wir sind links der Mitte, rechts der Mitte und genau auf der Mitte. Wir sind Menschen jedes Geschlechts, jedes Alters, jeder Herkunft, jeder Religion, jeder Hautfarbe, jeder sexuellen Orientierung, jeder politischen Richtung. Wir sind die, die unser Land zu dem machen, was es ist."

Initiiert hat den Protestbrief Christoph Schott von Avaaz.org. Er erzählt, die Idee dazu sei am Sonntag nach Verkündung des Wahlergebnisses entstanden. Erste Reaktionen auf eine Rundmail hätten gezeigt, dass "es anscheinend viele Leute gibt, die zeigen wollen, wofür für sie Deutschland steht." Die Petition soll diese Leute zusammenbringen. Das Ziel eines solchen Protestbriefes mit zahlreichen Unterschriften soll es sein, "dass die Parteien sehen, dass die große Mehrheit der Deutschen sich weiterhin für ein vielfältiges Deutschland einsetzen." Andere Parteien sollten erkennen, dass es nicht nötig sei, nach rechts zu rücken und den Populismus der AfD zu übernehmen.

Hashtag #87Prozent

Auch in den sozialen Netzwerken wird unter dem Hashtag #87Prozent Stimmung gegen die neue Partei im Bundestag gemacht. "Ich bin , und wünsche mir Deutschland als Land der Denker und nicht der Jäger!", schreibt eine Nutzerin beispielsweise in Bezug auf die Aussage von AfD-Politiker Alexander Gauland, der nach der Wahl gesagt hatte, die AfD wolle Kanzlerin Merkel "jagen". Jemand anders schreibt: Ich bin und wünsche mir, dass der nächste Bundestag der mal zeigt, wo das steht und vor allem, was drin steht."

Die Tweets verbreiten sich ebenfalls zahlreich. Allein über 2000 Usern gefällt ein Tweet mit den Worten: "Ich bin und wünsche mir, als homosexueller Mensch mit Migrationshintergrund nicht in Angst vor Nazis leben zu müssen." Natürlich gibt es auch einige, die unter dem Hashtag Kritik äußern: "Mit dem Strom schwimmt meist nur der Müll", schrieb ein AfD-Sympathisant.

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