Politik : Mehr Ausbilder für afghanische Armee

Sarah Kramer

Berlin - Die Bundeswehr will künftig bis zu 300 Soldaten für die Ausbildung der afghanischen Armee (Ana) bereitstellen. Bis Ende 2008 sollen im Norden Afghanistans, wo das deutsche Kontingent der Schutztruppe Isaf stationiert ist, sieben bis acht Ausbildungsteams mit jeweils rund 20 Bundeswehrsoldaten zum Einsatz kommen. Eine weitere Aufstockung sei wünschenswert, sagte Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan auf einer Konferenz der Generalstabschefs des Isaf-Regionalkommandos Nord in Berlin. Die USA hätten bei der Armee-Ausbildung in Afghanistan um Entlastung gebeten, um die freigesetzten Kräfte bei der Polizeiausbildung einsetzen zu können, sagte Schneiderhan. Die USA tragen derzeit die Hauptlast bei der Ausbildung der afghanischen Streitkräfte. Deutschland ist bislang mit knapp 100 Soldaten beteiligt.

Erste Erfahrungen mit afghanischen Streitkräften bei einer gemeinsamen Operation in Westen des Landes bezeichnete Schneiderhan „außerordentlich ermutigend“. Ausbildungsstand und Disziplin der Ana-Soldaten hätten sich verbessert. Für 2008 sei von deutscher Seite in Kooperation mit Frankreich der Aufbau einer Logistikschule in Kabul sowie einer Pionierschule geplant. Außerdem sollen die regionalen Wiederaufbauteams im Norden um temporäre Beraterteams ergänzt werden.

Mit Sorge betrachtet Schneiderhan, dass sich Norwegen mit seiner 240 Mann starken Eingreiftruppe aus dem Land zurückziehen will. Da Deutschland die Verantwortung für den Norden Afghanistans habe, könnte die Frage nach deutschen Kapazitäten gestellt werden. Es müsse allerdings geprüft werden, ob die Übernahme solcher Kampffunktionen durch die vom Bundestag beschlossenen Afghanistan-Mandate gedeckt wäre.

Unterdessen wurde eine Studie bekannt, derzufolge die radikal-islamischen Taliban in ganz Afghanistan auf dem Vormarsch sind und bald vor der Hauptstadt Kabul stehen könnten. Laut Bericht der Expertengruppe Senlis Council muss die Nato ihre Truppenstärke auf 80 000 Mann verdoppeln, um den Aufstand einzudämmen. Sarah Kramer

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