Politik : MEIN 17. JUNI

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„Salopp gesagt, verdanke ich dem 17. Juni heute meinen Job, denn ’Das Magazin’ wurde nach den Protesten neu herausgegeben. Es sollte unterhaltsamer, freizügiger, weniger politiklastig sein und wurde ein Dauerbestseller. Ansonsten hält sich die Strahlkraft dieses Datums für mich in Grenzen, ich bin lange danach geboren. Mir fällt es schwer, an den Mythos des kritischen Arbeiters zu glauben, der nach dem 17. Juni – einmal von Panzern eingeschüchtert – nie mehr wagte aufzubegehren. Die SED schien zumindest nicht weniger ängstlich. Arbeiter durften jedenfalls fortan alles. Wer in der DDR gelebt hat, weiß, dass man mehr als genug von großmäuligen Bauleuten, schamlosen Handwerkern, hochnäsigen Kellnern umgeben war. Eigennutz hieß ihr selbstbewusstes Programm, politisch waren sie ohne Ambition. Nicht ohne Grund wurde die 89er Bewegung eine von Feingeistern, von Wissenschaftlern, Theologen, Künstlern.“

Manuela Thieme ist Chefredakteurin der ostdeutschen Zeitschrift „Das Magazin“.

„Der 17. Juni ist für mich bis zum heutigen Tag eines der herausragenden und erinnerungswürdigen Ereignisse meines Lebens. Der Aufstand hat mir gezeigt, dass der Einsatz für Freiheit, der Kampf gegen Bevormundung und Diktatur sich überall Bahn bricht, wo Menschen sich der Unterdrückung bewusst werden. Es war ein großartiger Tag. Aber ein Tag des Kampfes, der leider in der damaligen Zeit noch durch den Einsatz von Waffen und Gewalt brutal unterdrückt wurde.

Dass wir dann den Fall der Mauer viele Jahre später noch erleben durften, war eigentlich die Erfüllung. Das war das, was die Menschen damals schon wollten: ein gemeinsames demokratisches Deutschland.“

Klaus Töpfer ist Chef des UNUmweltprogramms. Zuvor war der Umweltminister in der Regierung Kohl und zuletzt Bauminister und für den Regierungsumzug verantwortlich.

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