Politik : Merkel klar vor Schröder

Deutschlandtrend: Über 70 Prozent wollen den Wechsel / Sogar absolute Mehrheit für Union möglich

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Für den aktuellen Deutschlandtrend im Auftrag von ARD/„Tagesthemen“ und Tagesspiegel befragte Infratest dimap vom 30. Mai bis 1. Juni 1000 Wahlberechtigte.

Der Vorschlag der SPD-Führung, die Bundestagswahl von 2006 auf den 18. September 2005 vorzuziehen, hat die Bundesbürger am stärksten beschäftigt. Dadurch gerieten andere Themen in den Hintergrund, wie die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, die angespannte Situation am Arbeitsmarkt sowie das gescheiterte Referendum in Frankreich zur EU-Verfassung. An der kritischen Bewertung der Regierung jedoch änderte sich dadurch nichts. Wie im Vormonat stellt nur jeder Fünfte (19 Prozent) dem Bundeskabinett ein positives Zeugnis aus. Acht von zehn Bundesbürgern (80 Prozent) äußern sich unzufrieden.

Im Gegenzug jedoch fallen die Erwartungen an eine unionsgeführte Regierungspolitik nicht überschwänglich aus – auch wenn das Vertrauen gegenüber Mai angestiegen ist. Nach 33 Prozent im Mai sind nun 37 Prozent der Bundesbürger überzeugt, dass eine CDU/CSU-geführte Regierung die bestehenden Probleme besser lösen kann. Auch gibt es inzwischen ausgeprägte Sympathien für einen politischen Neuanfang. Derzeit sprechen sich 72 Prozent der Bundesbürger für einen Wechsel in Berlin aus. Die Zahl derer, die sich für eine Fortsetzung der rot-grünen Regierung aussprechen, sank von 32 Prozent auf nunmehr 22 Prozent.

Fänden jetzt Wahlen statt, käme es zu einem Regierungswechsel. Im Vergleich zur Vorwoche baute die Union ihren Wählerrückhalt um einen Prozentpunkt aus. Sie kann nun mit 48 Prozent der Zweitstimmen rechnen. Die SPD verliert im gleichen Zeitraum einen Prozentpunkt und würde 28 Prozent erzielen. Grüne und Liberale verbessern sich jeweils um einen Prozentpunkt, sie kämen auf neun beziehungsweise sieben Prozent. Die PDS verliert gegenüber der letzten Woche einen Prozentpunkt und würde mit vier Prozent an der Fünf-Prozent-Marke scheitern. Mit einem solchen Wahlausgang besäße die Union sogar die Aussicht auf eine absolute Mehrheit.

Eine Kanzlerin Angela Merkel fände Zustimmung in einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung. Bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers könnte die Unionskandidatin mit 46 Prozent mehr Stimmen auf sich ziehen als der SPD-Amtsinhaber Gerhard Schröder (38 Prozent). Die Herausforderin aus der Union genießt vor allem in sachpolitischen Fragen Ansehen. Merkel wird eher zugetraut, die Wirtschaft voranzubringen und Arbeitsplätze zu schaffen. Sie gilt zudem als glaubwürdiger, tatkräftiger und als bürgernäher. In Sachfragen liegt Amtsinhaber Gerhard Schröder bei der Außenpolitik vorne. Auch gilt er als führungsstärker und im direkten Vergleich als sympathischer. Und er kann nach Ansicht der Bundesbürger besser mit der Öffentlichkeit umgehen.

Abgesehen von Kanzler Schröder und Innenminister Otto Schily, die ihre Sympathiewerte vom Mai halten können, müssen die SPD-Spitzen durchweg Sympathieeinbußen hinnehmen. Am deutlichsten trifft dies den SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering (minus vier Punkte) sowie Bundesfinanzminister Hans Eichel (minus sieben Punkte). Tsp

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